# dare or truth

 

 

 

 

Ich mache gerade Ferien von einem Leben, das ich nicht will. Wo? In der Wohnung, für die ich Miete zahle. Unter'm Dach. Das Konzept von Urlaub hab ich wirklich nie verstanden: irgendwo hinfahren, wo ich sein will um wieder dahinzurückzufahren, wo ich nicht sein will. Das Hin und Her ist nichts für mich. Ich muss mich dann vor allem von dem Zurück nach da wo ich sein muss, erholen. Das ist ungut. Lieber bin gänzlich da wo ich nicht sein will und begreife wo das herkommt. Alles kommt irgendwoher, wir auch. Ich widme mich wenigen Dingen. Die Dinge sind nur noch Mittel zum Zweck, keine Erinnerungsstücke. Dinge kommen und gehen wie Gedanken, Gefühle, Menschen und Erinnerungen an all das und das Wissen um mehr. Da war einmal mehr in dem Weniger und die Meisten scheinen das vergessen zu haben. 

Bist Du im Urlaub oder geht Deine Seele reisen?

 

 

 

 

# Ende Mai

 

 

 

 

Passend zur Saison Rasen mähen, werden Phrasen gedroschen. Unerträglich. Beides. Morgens um 8 verabreden sich Männer in verschiedenen nebeneinanderliegenden Innenhöfen zum Phrasen dreschen, ich meine Rasen mähen. Nicht nur das! Das Kakaphonie-Konzert dauert 1,5 Stunden an und lässt sich schwer ignorieren, auch mit ich-hör-Musik-nur-wenn-sie laut-ist nicht. Die Brutalität der Lautstärke hat auch die Mauersegler vertrieben. Aber brutal kennen wir ja, brutal können wir. Der erste Neurodivergenz-Schub ist vorbei und man kann sich wieder dem Tagesgeschäft 'Leben' widmen. Es ist Sommer: Sonne, Bikini, Badeurlaub - ich mach Yoga. 

 

 

 

 

 

# the web

 

 

 

In unseren Leben weben wir Netze, die Teil anderer gewobener Netze sind. Die Knotenpunkte im Netz sind all unsere Begegnungen. Zelebrieren wir diese Begegnungen und erkennen wir was sie uns zu sagen haben

 

 

life itself is lived as practical ceremony where all thought is prayer 

# mo

fühlt & denkt

 

# she/ he

 





Friday night in his kitchen

her lips were red bright red

he was loud

his everyday life screamed

at her

his glass was emptied quickly

she was in fear for him, for herself for what could be

he was a prisoner of his daily life

she wanted an Us

Here and now

He ordered her around

then she was gone

although she was still there

 

 

 

 

 

 

# Der Weg und der zerbrochene Ring

 





Wer auf dem Weg ist, begegnet dem Bekannten wie dem Unbekannten. Beides fordert unser ganzes Sein, unsere gesamte Aufmerksamkeit. Wir kommen auf dem Weg immer wieder an Weggabelungen, wo wir uns entscheiden müssen welche Richtung wir einschlagen. Wir sind allein auf diesem Weg und wir können einzig und allein unserer Intuition trauen. Dabei fällt mir ein Rätsel ein, dass wir uns als Kinder erzählt um uns zu erinnern... das ging so: In einem Wald wohnen in einer Holzhütte zwei Brüder, eineiige Zwillinge, zum verwechseln ähnlich. Das Haus der Brüder steht an einer Weggabelung, rechts geht es in die Stadt und links tiefer in den Wald. Du willst den Weg in die Stadt erfahren, weißt aber, dass einer der Brüder stets die Wahrheit sagt und der andere stets lügt. Du willst den Weg wissen und musst dir genau überlegen welche Frage du stellst. Was ist die eine Frage, die dir in jedem Fall den rechten Weg weisen wird?

Weggabelungen zwingen uns zu Entscheidungen. Macht das Angst? Manchmal ja. Doch Entscheidungen bringen uns etwas näher. Ja, näher. Was fragst Du Dich jetzt? Mit jeder Entscheidung treffen wir eine Wahl. Das Wissen wählen zu können, eine Wahl zu haben, erinnert uns an unsere Kraft. Zu wissen, dass wir die Wahl haben, macht uns resilienter für den kommenden Sturm. Erinnere Dich: Du hast die Wahl, weil Du Entscheidungen treffen kannst. 

Auf meinem Weg, stand ich in einem unbestimmten Raum. Es war warm. Ich schaute auf meine Hände und sah, dass ich zwischen Zeigefinger und Daumen beider Hände einen Ring halte. Ich habe den Ring zerbrochen. Es war leicht. Ich habe mich gewundert wie leicht es war. Als ich mir die beiden Teile des Ringes anschaue, erkenne ich eine gitternetzartige Struktur und dass auch diese nicht mehr miteinander verbunden ist. 

Wenn wir die innere Struktur von Verbindungen gelöst haben, brechen wir die inneren Verträge auf, die uns an eine Realität halten, die uns nicht mehr dient. Was wir tun können, um die inneren Strukturen zu erlösen? Wir können uns unseren Süchten stellen, wir können so viel Stille wie möglich um uns und dann in uns erschaffen, wir können uns so oft wie möglich zurückziehen und wir können ein Gebet der Dankbarkeit aussprechen, wir können uns auf das konzentrieren was wir ändern können und es tun







# haben & sein

 



Was ich nicht habe, kann mir niemand nehmen

Was ich habe, bin ich und das ist nicht austauschbar und nicht verhandelbar

Was ich bin, kann niemand haben 

Wer bist du?

Was ist das Unzerstörbare in Dir?




# tausend Jahre

Tausend Jahre durch wachsende

Wüsten gehen; das Gedächtnis der

Welten als Proviant

In verwüstete Seelenlandschaften

sehen, wenn Zeitalter sich ihrem

Ende neigen

Von Tristesse herrührende Müdigkeit

nistet sich verstohlen in den

Eingeweiden ein

Spuren einstigen Miteinanders ver-

wehen im vom Wind und von Schritten

aufgetriebenen Sand

Einzelne Fremde, unter ihnen Plünderer,

kreuzen den Weg

Die Himmel legen sich über die Trug-

bilder am Horizont



Nahrung ist ein ewiges Gebet

Auf der Suche nach magischen

Begegnungen, gleichsam diese

erinnernd – wie Wasserperlen auf der Zunge -

einer unsichtbaren Karawane folgen…



und tausend Jahre träumen





Mo Haver ist Autorin und Beraterin. Bisher: Veröffentlichungen auf Online-Plattformen, in Anthologien und Literaturzeitschriften, Tagblende im Literareon-Verlag und Gefallene Gedanken im Engelsdorfer Verlag. Schreiben ist Heimat.

# sag ihm

 


…, dass ich mich erinnere an diesem Sommer und den Ort, an den es mich nach vielen Jahren wie zufällig geführt hat, ich weiß Zufall und Führung… sag ihm, ich erinnere den Raum des Empfindens - ich habe zum ersten Mal die Schichten des Traums empfunden, wie tief der Traum in den eines anderen Menschen, von uns allen, reicht, wie tief der Traum in die Wirklichkeit und aus ihr kommend, dringt, ich weiß, nicht jeder versteht, nicht jeder begreift, doch es gibt kein Zurück für jemand, der die Mystik der Seele empfunden hat. 


Sag ihm, dass das, was wir erleben die Reflexion einer geistigen Sphäre ist, zu der wir den Zugang verloren haben. Wir glauben an keineWunder mehr, wir glauben an Religionen, an Geld und die Wissenschaft - und ich erinnere einen Sommer, in dem alles möglich war. Es folgte ein Herbst voller Wandlungen und ein Winter mit Schnee ohne Berge. Alles andere, der Rest, was auch immer, gehört in ein anderes Leben zu anderen Leuten.

Ein Sommer, in dem alles möglich ist, ist wie ein wundersamer Tag in der Kindheit, an dem sich das Leben offenbart. Sag ihm das Eine noch: In seiner Gegenwart habe ich Heimat gefunden 








# Heimat - ein schönes Wort

 




Für alle diejenigen, die in dieser Welt keine Heimat haben, bleibt die Liebe und der Atem und das Lachen - es ist die Liebe des Kosmos, unser Atem, der uns mit allem verbindet solange wir leben und das Lachen über die Absurdität einer Existenz, die uns in die Zerstörung zwingt. Die Wahrheiten unseres Abgrundes schauen uns an und es ist erst der Anfang eines Begreifens ohne dessen Früchte zu sehen.

Je mehr von uns den postmodernen Lebensstil zurückfahren, um so mehr tragen wir zu etwas wie Leben in Zeiten des Untergangs bei.

Aho, für alle meine Verwandten 






# der Weg

 




Ich mache die Erfahrung, dass der Weg mich trägt. Ich habe aufgehört den Weg zu gehen. 

Und es gibt eine Erkenntnis des Tages: am falschen Ort zu sein, kennt viele Varianten

Eine andere Welt wartet auf mich 




# tagblende

 


Für alle deutschsprachigen Freunde der Nacht & alle Reisenden 🫶🏼

unbedingt Link klicken für Soundrausch mit Wortbilder  

https://m.soundcloud.com/mohaver







# remember

 




The Mountains move like the oceans 

Only much much slower 

Prepare for the mountain 

It’s a safe space 






# wir sind poesie

 




Wir schauen auf eine Gemeinschaft, unsere Menschenfamilie als Verband und müssen feststellen, dass wir versagt haben. Wir leben in Beziehungen ohne Bezogenheit und lehnen die Realität der Zerstörung ab. Unsere Beziehungen sind durch Verträge geregelt und von Sachzwängen dirigiert. Wir haben das Grundrecht in Freiheit geboren zu sein, vergessen und damit abgegeben. Wir nehmen täglich an der Zerstörung von Leben und unserem eigenen Leben teil und nehmen allein die Schuld auf uns falsch zu sein. Sobald wir beginnen uns als vollkommen zu sehen und vollkommene Wesen zu leben mit dem Respekt vor unserem Körper und unserem Sein, beginnen wir uns zu schützen und mit Liebe zu nähren. Solange wir uns mit Gift der Sinne berauben, sind wir Untertanen einer düsteren Kultur die die Zerstörung von Leben will. Wir sind Poesie und müssen das Rätsel des Jahrtausends lösen: warum zerstören wir was wir haben ?


Aho. Für meine Schwestern und alle meine Verwandten 








# Menschen mit Maschinen

 



Menschen mit Maschinen haben mit den Morgen genommen. Da war der Schnee und ich. Ich ging im Schnee spazieren und ich war ganz bei mir und bei dir, ich war ganz bei uns, ich war ganz Ohr bis Menschen den Moment zerstörten. 

Menschen zerstören viel. Momente, Freude, Verbindungen. Ob Menschen wieder heilen, die sie zerstört haben? Leute reden von Wachstum, Entwicklung und Gewinn. 

Und ich bin hier in diesem Moment. Wo bist Du?






# wir

 




es gibt einen weg wie wir unsere welt verändern und unsere erde heilen helfen: es ist unsere empathie, unser mitgefühl, unsere kraft mitzuschwingen. unser leben wird sich grundlegend verändern. die erde verändert sich grundlegend. wenn wir unsere eigene natur verachten, gehen wir verloren in tatsachen, die für uns geschaffen wurden. der einzige wandel ist eine transformation im innen, wir haben uns dem zuzuwenden was wir vermeiden und vermeiden wollen: die innenschau. nur, wenn wir nach innen schauen, können wir erkennen was zu verändern ist, und wie es gehen kann






# ein Bild aus einem anderen Leben

 




Wieder in der Stadt

Das Fenster ist weit geöffnet

es regnet und wir

liegen nackt auf dem Futon

neben aufgewühlten Federdecken

jeder in seinen begehrlichen Blessuren

und die jüngsten Ereignisse 

schmecken nach Verlust, nach Mehr und nach Salz

und da ist großer Appetit auf dunkle Schokolade mit

Orangenstücken und die Sehnsucht nach den Bergen








# wo fällt sie hin ?

 





du hast weggesehen. du hast dich anderen 

zugewendet, wenn ich neben dir saß. du hast mir 

schöne dinge erzählt und jedes deiner worte ist

zerbrochen. scherben brachten kein glück. mit mir

an deiner seite, konntest du dir alles erlauben, du 

konntest leben. langsam bin ich gestorben im land

deines vergessens, wo niemand wohnt und niemand gast 

sein will. in der gegend der nebel musst ich gehen

um in deiner nähe sein zu können bis... langsam ging ich

weiter und tiefer bis ich von deiner gestalt nur noch einen 

schmalen schwarzen strich sah - groß wie die narbe in 

meinem herzen











# Chor der Unvernünftigen

 




Wir sind die Nachkommen der 

"Aufklärungen"

Gefüttert mit dem Blut der

Revolutionen

Wir sind satt von den falschen

Vorstellungen

Und der Rede von Fortschritt

durch Technik und Millionen


Kindheit das haben wir recht früh

verlernt

Fremde Ideen wurde uns in die 

Köpfe gestopft

weil Vater ein Mann werden

gelernt

Vor den seine Ahnen sich schon

mit Feinden gezofft


Unser Kindheitstraum war "Liebe

in Freiheit"

Unser Märchenbuch: "Die 

Lehren des Don Juan"

Unsere Freude: Tanztabletten

Und Rausch unser Retter


Die Bücher erzählten Lügen und 

Frivolitäten jeder Couleur

Daraus ergab sich eine virtuelle 

Realität wie im Kaleidoskop

Wir trainierten tränenlos die

Enge ertragen - unser Malheur

Und die Brüder und Schwestern

wähnten sich on top


Und kamen die Umschläge mit

Rechnungen und Bescheiden

spielten die Mütter heilige

Familie als wären wir in den 

50ern

dann gingen die Männer in 

moderne Höhlen leiden

und waren auf uns 

zurückgeworfen, auch fern


Wir lernten social media und 

Manipulation

mit Hilfe überstehen

Wir empfingen Gehälter der

Inflation

Auf nimmer Wiedersehen


Wir fühlen noch immer den 

Hohn und die Kälte

Jener klassischen Epoche Erbe

Auf die modernen 

Scheiterhaufen verbringen uns

Anwälte

Und wir wachen das Feuer

unserer Mutter Erde



erschienen in der Frankfurter Bibliothek