# she & him I

 

 


 

SIE & ER I

Sie saß im Sessel

er vorm Fenster

zwischen ihnen Bücherstapel

auf dem Tisch

ihr Kopf war voller Träume

Ideen Illusionen

seiner schrie vor Wissen

dass sie kalte Hände bekam

zwischen ihren Schenkeln verbarg

er schaute in eine Weite

sie ihn an

da waren keine Brücken

keine Wege

keine Zugänge

nur ein Haus

ohne Tür.

 

SHE & HIM I

She sat in the armchair

he sat in front of the window

between them on the table

piles of books

her mind was full of dreams

ideas illusions

her hands

buried in her lap

went cold

while his mind screamed with knowledge

he looked into the distance

she looked at him

there were no bridges

no roads

no access

just a house

without doors

 

# demons can dance

 


 

Ich wache auf. 3 Uhr 47. Kein Mond, kein Laut, kein Gefühl. In mir. Nichts. Ich liege auf dem Rücken. Ich, das bisschen Etwas, im Nichts. No thing. Die Beine flach ausgestreckt. Meine linke Hand liegt auf der rechten. Beide ruhen auf meiner Brust. Mein Körper ist zugedeckt. Ich liege nackt unter der Decke. Der Raum ist gut sichtbar, obwohl meine Augen geschlossen sind. Die Dinge liegen schweigend da. Mit neongrünen Umrissen. Ich erinnere mich an meinen Traum. Ich liege unter einer Pyramide. Ich bin nicht Körper. Ich bin stummes Schreien. Tief in der Erde. Es ist dunkel wie in dem Raum, in dem ich liege. Mir ist warm unter der Erde. Ich höre Schritte. Diese Schritte durchmessen mich. Füsse hinterlassen Abdrücke. Menschen gehen in den Sälen meines Selbst. Was ist das Selbst? Eine Sammlung von Erinnerungen? Was bin ich ohne Erinnerungen? Wer braucht das Selbst? Wer sich verliert, findet sich. Sie suchen mich heim. Sie sind zu mir gekommen. Viele Menschen – eine Karawane voll Träume. Was wollen sie? Wo kommen sie her? Ich liege still da. Erkenne Schatten ohne Körper. Immer dieses Wollen in der Welt. Ich will nichts von euch. Verschwindet! Haut aus mir ab. Ich tauche tiefer. Tiefer hinab in die Dunkelheit. Moses führte die Ungläubigen in die Wüste, steht im Buch geschrieben. Die Wüste hat Augen. Wieso hat die Wüste Augen? Weil du allein bist und die Wüste dich anschaut. Sie betrachten mich, tausende Augen. Hände durchwühlen mich. Sie öffnen Gang um Gang, heben Steinplatten von Steintruhen, kommen weiter in mich hinein. Hinter mir raschelt es. Die Packung Taschentücher auf dem Glastisch. Ich bewege mich nicht. Ich drehe den Kopf nicht nach hinten. Meine Augen kreisen den Raum ab wie die Scheinwerfer vorbeifahrender Autos auf der Strasse. Den Raum abscannen. Der Raum liegt schwer auf mir. Ich höre ein Atmen. Ich halte den Atem an. Ich sammele die Luft in mir. Ist er es? Wieder. Wie jeden Monat. In meinem Zimmer. Ich bin umgezogen. Habe das Land gewechselt. Egal. Was interessieren ihn Grenzen. Es ist sein Atem. Noch ist er 2 Meter von mir weg. Noch glaubt er, ich schlafe. Noch fühle ich seinen Atem nicht auf meiner Haut. Nachts, wenn alles still da liegt, die Dinge ruhen und Menschen schweigen, weil der Schlaf sie vor mehr lauter Gedanken rettet. Er kommt näher. Wieder und wieder und wieder. Jeden Monat. Er besucht mich. Er weiß, wo er mich suchen muss. Er findet mich immer. Seit Jahren. Er lässt keinen Monat aus. Er ist pünktlich. Er kommt in der Nacht. Ich kann mich auf ihn verlassen. Er will mich. Er greift meine Hüfte. Krallt sich fest. Ich spüre seinen Atem in meinem Nacken. Ich bin blind. Seine Lust erstickt mich. Diese Gier widert mich an. Wann fing das an? In irgendeinem Sommer. Da kamen die Schatten…

# für jemand

 

 


 


Gegen den Strom –

das einzige Gesicht

das Treiben der Anderen

eine singende Euphorie

Du denkst Dein Lied bleibt unerhört

Reiterinnen auf unsichtbaren Pferden

nehmen Dich mit

Lachen

Du bist davon dämonisiert

das Gut der Kaufleute hat keinen Wert

Deine Wildheit ist unbezähmbar –

verwegen ragt jemand aus der Menge.

 

# minimalismus

 

 

 

Mininmalismus als Einrichtungskonzept in aller Munde, überall auf social media, aber in den wenigsten Haushalten wirklich umgesetzt. Nicht das man das tun müsste: Minimalistisch leben. Doch ein kleinen Wenig Bescheidenheit würde uns gut zu Gesichte stehen. Wenn man wie ich Minimalismus als Lebenskonzept lebt, wenn es gewissermaßen eine Frage des Stils ist, ergeben sich die Dinge im Grunde von selbst. Nur: Ich muss zugeben, dass bei mir Minimalismus angeboren ist. Ich ging lange in der Annahme, dass das mit dem Fluchthintergrund meiner Großmutter und Urgroßmutter zusammenhing, aber nein, es ist angeboren - mein Blick durch die Erscheinungen hindurch. Mir war früh klar, dass viele Dinge viel Raum brauchen und das anderes Leben auch Raum braucht und das es sinnvoll ist nicht alles zu vereinnahmen und meine Zeit damit zu verbringen Dinge von A nach B zu bringen, sie versichern zu müssen, nachdem ich sie verstaut habe. Mir war die Einfachheit schon immer lieber, auch wenn ich die Schönheit der Dinge liebe. Ich habe gelernt die Schönheit zu ehren ohne sie besitzen zu müssen. Ich wünschte wir würden zu einem gewissen Maß an Bescheidenheit finden können

 

 

 

# klarheit - experiment

 

 

 

 

Lust auf ein kleines Experiment? Vielleicht macht das einer von euch ja schon?! Dann lässt sich das ausbauen... Ich hab mit diesem Experiment angefangen, als ich in Berlin lebte und mit Filmemachern Drehbücher dramaturgisch bearbeitet habe. Also das geht so: Wenn ich mir auf einen Film anschaue oder Instagram-Reels oder Interviews, lasse ich den Ton weg. Den Ton einfach weglassen und nur das Bild anschauen. Ich konzentriere mich auf den Rhythmus der Bilder, den Schnitt, die verschiedenen Bildeinstellungen, Nahe, Totale etc. und ich sehe viel genauer was im Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund passiert. Alles vermittelt eine Stimmung auch aufgrund der Farben und des Lichts, logisch. Dann schaue ich mir die Interaktion der Schauspieler, Interviewpartner, Protagonisten an: es geht nicht darum wie sie ausehen oder wie sie geschminkt sind, es geht mir um den Gesichtsausdruck, sehe ich Ticks, sehe ich unterdrückte Gefühle... Ich mache das regelmäßig. Warum? Es trainiert mich mich auf das zu konzentrieren was vor sich geht, nicht was gesagt wird. Das Ganze lässt sich natürlich in den Alltag, in die eigene Lebensrealität übertragen: Denn was wäre das Training ohne Bezug zu Realität? Ich schaue mir Leute an, wenn sie so durch die Gegend laufen, mit anderen Leuten sind und sich unbeobachtet fühlen. Nein, mir geht es nicht darum mich lustig zu machen oder d i e Wahrheit zu finden, mir geht es um Beobachtungen in meiner direkten Umgebung. Wir erinnern uns: Beobachtungen dienen der Analyse und die Analyse führt zur Deutung.

Auf social media entlarvst du mit dem tonlosen Schauen Muster, Wiederholungen, Egomanen und schönen Schein. Mit Ton sieht alles ganz anders aus, du wirst sehen.

Für Fortgeschrittene: Übung A) Im Gespräch einfach mal versuchen den Ton des Gegenübers auszuschalten und sich nur darauf konzentrieren wie etwas gesagt wird, wie der Körper spricht und ob die Körpersprache eine Einheit ist. Ein paar Minuten genügen. B) Die Übung umkehren: Den Filmton von irgendeinem Film der Wahl anschalten, sich dabei vom Filmbild weglegen, so ungefähr 5 - 10 Minuten zuhören und fühlen was der Sound mit Dir macht!

Bald kommen mehr Experimente! Lasst euch vom politischen Geschehen nicht so sehr beunruhigen, soweit das an dem Ort geht, wo ihr lebt, zelebriert das Leben, das Leben wird es euch danken. 

Ich wünsche euch Kraft und Schutz 

 

 

 

# Räume

 

 

Der Mensch hat sich beinahe alles erschlossen und dennoch weiß er nichts. Jeder Lebensraum ist angefasst, beleuchtet, erfasst. Wie kommt es, dass bei allem Forschungsdrang und angesichts aller wissenschaftlichen Fachrichtungen weniger entdeckt wird als vielmehr zerstört? Steile These? Mit Nichten!

Menschen wollen den Weltraum erobert haben, dabei haben sie dort Material platziert, dass die Erdatmosphäre beeinflusst und das Leben auf der Erde maßgeblich beeinträchtigt. Der Mensch feiert unterdessen auf Kosten anderen Lebens und auf Kosten als tot deklarierter Materie seinen Luxus und Konsum. Aber wie kann Leben aus toter Matiere hervorgehen? Diese Frage gehört zu einem Katalog an Fragen, die Denkfehler offenlegen. Denkfehler, die sich aus dem falschen Gebrauch von Sprache ergeben und Denkminen schaffen. Wer Dinge nicht mehr sagen darf, entwickelt bei ausgebildetem kritischen Verstand entweder einen doppelten Boden des Denkens oder das Denken versiegt wie eine Quelle in den Bergen, weil der Sprecher mehr mit Sprachdoktrin beschäftigt ist als mit dem Formulieren eines Gedankens. 

Menschen tun sich und anderen tagtäglich derartig viel Gewalt an, dass es Normalität ist. Gewalt ist das Strukturelement. Und solange Menschen annehmen Gewalt sei eine Lösung oder der Modus operandi, brauchen wir uns nicht wundern über die Phänomene unserer Zeit. 

 

 

 

 

# die lösung liegt dazwischen

 

 

 

Die Wirklichkeit und wie wir sie sehen: Im Grunde sehen die Wenigsten von uns die Wirklichkeit wie sie ist. Unser Blick ist verzerrt durch Wünsche, Ansprüche, Vorstellungen, Ego-Projekttionen, Bestrebungen - all das lässt uns nicht sehen oder erleben was ist, ganz im Gegenteil, es bringt eine Trennung zwischen mich und die Welt und die Natur. Es ist wichtig, dass wir auch hier eine Unterscheidung treffen: zwischen Natur und Welt. Die Natur ist unser Leben, da kommt alles Leben her. Die Welt ist eine Struktur aus Verwaltungen, Technologien, Infrastrukturen. Wenn wir Urlaub machen, fahren wir in die Natur und wir fahren wieder aus ihr zurück in unsere Zusammenhänge in der Welt. Warum fühlen wir uns wohl in der Natur, auch wenn sie uns unbegreiflich ist? Warum neigen Menschen in den Städten zu immer mehr Extremen? Schon mal darüber nachgesonnen? 

Woran erkennen wir, dass wir die Wirklichkeit nicht sehen? Das erkennen wir daran, dass die Interpretation nichts mit dem erlebten Phänomen zu tun hat oder anders ausgedrückt, wenn die Deutung nicht in uns resoniert. Wir neigen schnell dazu Dinge und Phänomene einzuordnen; sicher um uns nicht weiter damit beschäftigen zu müssen. Doch um Erscheinungen in der Natur und der Welt - beide sind unsere Wirklichkeit - überhaupt interpretieren also deuten zu können, ist eine eingängige Analyse notwendig. Beispiel: Nehmen wir einen Menschen, den wir kennen oder nicht kennen. Wir konzentrieren uns im Regelfall darauf, was uns erzählt wird von dem Gegenüber, den Rest der Zeit sind wir mit Selbstregulation und unseren Umständen sowie bereits mit den nächstliegenden Aufgaben beschäftigt. oWas uns entgeht, schon in einer einfachen Alltagssituation: wo der Blick des anderen hingeht, der Tonfall der Stimme, der Umgang mit den Gegenständen, die Bewegung der Hände beim Sprechen und vieles mehr. Sobald alle diese Details analysiert werden, ergeben sie zusammengenommen eine Deutung der Situation mit diesem Menschen. Ja, nun könnte das Gegenargument kommen, wozu das Ganze?, warum so misstrauisch? Da bleibt nur zu sagen: wem sein Leben etwas Wert ist und die Visionen und Vorhaben, dem ist eine gute Beobachtungsgabe, die trainierbar ist sowie die Analyse oberste Priorität. Warum es hilft uns Entscheidungen zu treffen. Jeder von uns hat jeder Zeit Entscheidungen zu treffen. 

Merkt euch: Erst das Beobachten, als nächstes die Analyse des Beobachteten und dann die Deutung. Aho

 

 

 

# silence is sexy

 

 

Wenn ich so in der Stille sitze, in diesem bequemen Sessel der Vollkommenheit, weil es keine Erwartungen gibt oder Bestrebungen, tauchen Sätze, formulierte Gedanken, auf. Ich will gar nicht sagen, dass es sich dabei um meine Gedanken handelt, mir kommt es eher so vor als dränge sich ein Gedanke aus dem Strom aller Gedanken meiner direkten Umgebung, mein Lebensraum am Wohnort und aus den Feldern meiner Beschäftigung in den Vordergrund. Heute ist es Folgender: "Ich diene nicht zum Dienen." 

Irgendwann kommt man dahin zu begreifen, dass Erlebnisse, welcher Natur auch immer, Erfahrungen sind. Wenn ein Erlebnis zu einer Erfahrung wird, können wir daraus eine Erkenntnis gewinnen. Manchmal sind wir angehalten in eben jener Stille zu sitzen und den Dingen draußen ihren Lauf zu lassen bis wir uns ihnen wieder widmen können. 

Wenn Erlebnisse uns geschädigt haben, sind wir dazu aufgefordert den Weg der Heilung zu gehen. Auch der Weg der Heilung führt unweigerlich in die Stille. In diesem Raum kann uns das Ausmaß der Schädigung bewusst werden und im Raum der Stille liegen die Lösungen.

Die Stille ist die Schatzkammer unserer Träume. Dienst du dem Dienen? Dienst Du fremden Zwecken oder deinen Vorhaben? 

 

 

 

 

# wenn das Spiegelbild lügt: Ein Blick hinter die Maske unserer Kultur

 

Vom antiken Mythos zum epochalem Daseinsgefühl: Die Geschichte hinter dem Narzissmus

Hinter glanzvollen Fassaden des modernen Individualismus und schillernder Personas verbirgt sich oft eine tiefe, seelische Isolation. Doch keines der Phänomene, die uns in der Gegenwart begegnen, taucht plötzlich aus dem Nichts auf. Alles hat einen Hintergrund, eine tief verwurzelte Geschichte.

Wer Narzissmus heute als reines Social-Media-Problem abstempelt oder als Problem des letzte Jahrzehnts, greift zu kurz. In diesem Zusammenhang lohnt sich der Blick auf die kulturhistorische Figurentypen, die uns den Weg in die aktuelle Erscheinungsformen und Charakertypen weisen (hier seien nur einige der Bekanntesten genannt):

  • Ovid's Metamorphosen: Der antike Mythos von Narziss und Echo zeigt das Ur-Dilemma. Narziss verliebt sich in sein eigenes Spiegelbild, unfähig, die lebendige Echo zu als eigenständiges Wesen zu erleben. Es ist die Tragödie der Beziehungsunfähigkeit durch reine Selbstbezogenheit.
  • Goethes Werther: Ein literarischer Vorläufer der narzisstischen Persönlichkeit. Werther kreist obsessiv um seine eigenen Gefühle. Seine „Liebe“ ist kein echtes Beziehen auf das Gegenüber, sondern die Projektion einer idealisierten Sehnsucht.
  • Oscar Wildes Dorian Gray: Die ultimative Abspaltung. Dorian lagert sein Altern und seine Schuld in ein Porträt aus. Er lebt die absolute Trennung von glanzvollem Schein (sein Ego) und innerer Verfaulung (seine Schatten).

Die sozio-kulturelle Dimension: Diese Figuren zeigen: Narzissmus hat eine Historie. Doch was in unserer Kulturgeschichte als individuelle Tragödie dargestellt wird, hat die westliche Kultur bis heute systemisch kultiviert. Unsere Leistungs- und Optimierungsgesellschaft fördert und belohnt narzisstische Züge: Selbstdarstellung, emotionale Abgrenzung und das Konsumieren von Beziehungen.

Den Bezugsrahmen verstehen Das Erkennen dieser historischen Kontinuität schenkt uns den entscheidenden Schlüssel zur Veränderung: Sobald wir verstehen, warum etwas wie der Narzissmus in dieser Intensität auftaucht – wenn wir also unsere eigene Kultur verstehen –, verstehen wir auch seine Erscheinungsformen. Denn alles hat einen Bezugsrahmen. Es geht hier weniger darum, den einzelnen narzisstischen Charaktertyp zu hinterfragen und zu verstehen, als vielmehr die Kultur und die Gesellschaft, die ihn überhaupt erst möglich macht, formt und durch alle Schichten hindurch fördert. Wer versteht, hat begriffen und findet Lösungen.

Erst dieses tiefere Bewusstsein für das „Woher“ nimmt der etablierten Dynamik ihre lähmende Macht. Indem wir den kulturellen Nährboden durchschauen, können wir uns Lösungen und einem heilsamen Umgang widmen. Wir treten aus dem kollektiven Treibhaus des Egos heraus, integrieren unsere verdrängten Schatten und finden den Weg aus der Isolation zurück in lebendige Resonanz mit der Welt und lebhafte Beziehungen.


# Bienen-Code und Null-Botschaften

 

Es ist eigentlich ziemlich unerträglich, wie fleißig wir darin sind, Dinge kaputtzumachen. Jeden Tag fügen Menschen sich selbst Verletzungen zu, sich, anderen, Mutter Erde, Mutter Natur. Wir sind so sehr damit beschäftigt Ziele zu erreichen, uns selbst zu optimieren, uns den ganzen Tag um uns selbst zu drehen, dass wir das Wesentliche nicht nur verpassen, sondern auch verletzten: unsere Leben. Wir lassen wirklich nichts aus. Es ist ein ständiges, dumpfes Draufhauen, als gäbe es einen geheimen Wettbewerb darin, wer sich am effektivsten gegenseitig vernichtet. Wenn man darüber nachdenkt, ist das ziemlich erschreckend. Aber wem erzähle ich das? Ihr schaut ja auch Nachrichten.

Und dann gibt es diese ganz spezielle Sorte Mensch. Die, die morgens aufwachen und nichts Besseres zu tun haben, als anonymisierte Nachrichten zu verschicken. Youtube-Videos produzieren für noch mehr Zufuhr, Ego oder Bankkonto oder beides. Ungebetene Ratschläge frei Haus. Kommentare, nach denen niemand gesucht hat. Sie gehen einem auf den Sender, aber sie haben gar keine Botschaft. Marshall McLuhan würde in sein Kissen schreien. Wenn der Sender nichts mitzuteilen hat, ist das eine Null-Botschaft. Auf Kosten von uns allen. Der Sender dealt dann quasi mit dem Nichts. Das ist fast schon wieder eine Leistung.

In meinen Kreisen ist es ein absolutes No-Go, unaufgefordert Tipps zu geben. Da muss jemand schon an akuter Langeweile oder mittelschwerer Selbstüberschätzung leiden. Aber gut, das kommt vor. Wir sind ja gerade alle in ziemlich verwirrenden Zuständen untergebracht. Da verspüren Leute eben plötzlich den Drang, der aus der Angst geboren ist, einem anderen zu erklären, wie die Welt läuft.

Warum kotzen sich die Leute eigentlich ständig gegenseitig voll? Ach so, ja. Weil natürlich immer einer schlauer ist als der andere. Stimmt, hatte ich kurz vergessen. Genau deswegen glauben diese Leute auch alle, das Mittelalter sei vorbei. Niedlich. Sehr süß. Nur weil jetzt alles so dolle elektrifiziert ist und wir Klamotten aus Erdöl tragen? Naja. An Äußerlichkeiten kann man sich schon mal aufhängen. Macht nichts, merkt nämlich auch keiner.

Bei all dem Geblubber und Geplapper auf – ihr wisst schon wo – kann sich am Ende eh keiner mehr verstehen, geschweige denn konzentrieren. Wie soll man auch jemanden hören oder sehen, wenn man ununterbrochen mit sich selbst beschäftigt ist? Das ist ein bisschen schwierig. Hauptsache, man hat irgendwas gesagt. Missverständnisse gibt es dann inklusive, genau wie bei den Großen. Nur halt ohne echte Waffen und am Ende genauso vernichtend wie Vergleiche mit anderen.

Tja. Da draußen wird tagtäglich über Leichen gegangen. Oder Moment – sie gehen über Menschen, genau genommen. Genaunehmen ist so eine Art Berufskrankheit von mir. Oder künstlerische Freiheit, sucht es euch aus. Jedenfalls gehen die einen Menschen, das sind dann Projektmanagerinnen, Vorstände, CEO’s über andere Menschen drüber. Und während das passiert, während all dieser Lärm die Luft dick macht, sitzt man da.

Und dann ist das Summen einer einzigen Biene am Fenster plötzlich so etwas wie ein Wunder. Und der Blick nach oben in den Himmel – so etwas wie Rettung.

# neulich

 

 

Die Relevanz-Maschine und besser das Fahrrad nehmen bevor es zu spät ist

 

 

Ich frage mich manchmal, warum Menschen so viel Angst davor haben, unbedeutend zu sein.

Wir saßen neulich auf einer Holzbank vor einer Bar in Neukölln, M. und ich. Die Sonne ging unter und alles war ein bisschen rosa. Dann kam er. Auf einem Fahrrad. Er sah uns nicht, weil er wahrscheinlich mit seiner eigenen Relevanz beschäftigt war. Aber ich sah ihn. Das war mein Fehler. Er ist ihr Freund. Tja.

Er parkte das Rad, setzte sich und verschwand fast augenblicklich in seinem Bierglas. Und dann fing er an zu senden. Er erzählte uns von seinem Tag. Einfach so. Niemand hatte die Start-Taste gedrückt. Ich jedenfalls nicht, M. Auch nicht. Seine Worte wurden laut, seine Monologe noch lauter. Er sprach darüber, wie man die Welt rettet, wie man sich auflehnt, wie man alles anders macht. Wogegen rebelliert er eigentlich? Gegen seine Eltern? Gegen die Schwerkraft? Naja.

Weil die Anwohner sich gestört fühlen könnten, zogen wir nach drinnen um. Aber die einzige Person, die gestört wurde, war ich. Von diesem endlosen Redeschwall, der einfach nicht aufhören wollte. Drinnen wurden die Musik lauter, und seine Sätze wurden persönlicher, als wollten sie die Boxen übertönen. Er sagte, man müsse da jetzt irgendwas machen. Ich fragte ganz leise: „Was genau willst du denn da machen? Und wo überhaupt?“ Ein echter Weltverbesserer bei der Arbeit.

In diesem Moment wurde ich ganz ruhig. Ich zog mich in mein inneres Zimmer zurück, in den poetischen Raum, wo die Gesetze der Physik nicht gelten. Mein persönliches Naturgesetz lautet nämlich: Wenn jemand nur zu mir spricht, aber nicht mit mir, dann schalte ich mich ab. Wie hält M. das nur aus? Wie halten das all die Menschen aus, die mit jemandem zusammen sind, der einfach niemals zuhört? Worte können wie kleine, unsichtbare Fäuste sein – sogar gegen die eigenen Leute.

Was sammeln wir nur für Menschen um uns? Es wirkt alles so wahllos zusammengewürfelt, wie die Dinge in einer Kiste auf dem Flohmarkt, die am Ende des Tages übrig bleibt.

Für M. und alle anderen, die nachts wach liegen und ihre eigene Wichtigkeit wie eine wertvolle Zimmerpflanze gießen: Wer hat eigentlich behauptet, dass das, was wir tun, „relevant“ sein muss? Ist Relevanz eine Währung, mit der man im Supermarkt bezahlt? Wenn ich dazu noch das Wort gesellschaftskritisch höre, zieht sich mein Magen zusammen, als hätte ich Coca Cola getrunken. Und wenn ich die Menschen sehe, die dieses Wort wie ein Schutzschild vor sich herfragen, wird mir ein bisschen flau. Es sind Sprech-Menschen, meine Liebe. Sie reden und reden, um den Raum mit Geräuschen zu füllen, damit niemand merkt, dass sich eigentlich gar nichts bewegt. Am liebsten würden sie alle anderen auf Stumm schalten, damit ihr eigener Monolog besser klingt. Das ist mir zu eng. In so einem Denken kann ich nicht atmen. Vielleicht wäre es produktiver, erstmal die Socken vom Schlafzimmerboden aufzuräumen oder zwölf Monate lang nur Leitungswasser zu trinken?

Vielleicht arbeitet dein Freund ja auch heimlich im Untergrund. Ein geheimer Agent der Relevanz, der die Welt rettet, während wir schlafen, und deshalb nicht darüber sprechen darf… Wer weiß das schon? Wohl bekomm’s. Aber es soll hier gar nicht um ihn gehen. Es geht darum zu zelebrieren, das wir die sind, die wir sind, jeden Tag

# short

 

 

Reichenberger, Sonntag, Brust raus

Die Männer standen rum. Unentschlossen auf dem Gehweg, kauten an den Fingernägeln, rauchten innerlich Zigaretten und guckten in den grauen Asphalt der Reichenberger. Als gäbe es eine Entscheidung zu treffen, die größer ist als sie selbst.

Schließlich saßen wir. Freisitz im Bastard. Irgendwo klapperte Geschirr. Am Nebentisch kam kein Gespräch in Gang. War ja auch Sonntag. Und Sonntags sind Leute in Kreuzberg, SO 36, zerfeiert. Wir warteten. Auf das Frühstück. Auf irgendwas, das den Tag spaltet und den leeren Magen füllt. Auf mich kam eine Frau zu und gab mir einen kleinen Strauß rosaroter Rosen. Einfach so. Das hatte seit Jahren niemand getan. Niemand, den ich kannte. Ich konnte mich nicht erinnern, ob mir überhaupt mal jemand Blumen schenkte, außer ich mir selbst. Natürlich.

Der Vater vom Kumpel Schrägstrich Mitbewohner sah auf von seinem Frühstück auf. Er hielt sein Feuerzeug in der Hand, drehte es zwischen den Fingern. Ein silbernes Zippo, das er klicken ließ.

Was hältst du von Femen?“, fragte er. Einfach so. Schob die Frage über den Tisch wie einen vollen Aschenbecher von sich weg.

Bilder im Kopf. Straße, Blaulicht, nackte Haut im Regen. Frauen oben ohne.

Ich find’s ganz erfrischend“, sagte ich. Meine Hand lag flach auf dem Tisch. „Wenn Frauen ihre Brüste zeigen. Warum nicht.“

Der Mann quietschte auf wie eine alte Fahrradbremse. „Erfrischend????????????????????????????“ Das war irgendwie schrill.

Sein Sohn feixte. Grinste erst in seinen Kaffeetasse und zwinkerte mich an.
Der Alte schob das Kinn vor, die Augen schmal: „Sehr progressiv ist das aber nicht.“

Ich saß ganz ruhig da. Friedlich wie ein Eichhörnchen im Park. Aber im Kopf brannte das Licht.

Nich?“, sagte ich. „Grauhaarige Männer in Anzügen und Krawatte, die in geschlossenen Räumen sitzen aber auch nicht!

Er antwortete nicht. Stille. Er war satt. Vielleicht auch abgefrühstückt, und ich kam in Fahrt.

„In Südamerika“, sagte ich und sah ihn direkt an. „Gibt es ein Dorf. Jeden Sonntag treffen sich alle Dorfbewohner und die Frauen holen ihre Brüste raus. Alle. Jede. Schütteln sie lustig in die Runde. Die Sonne brennt, die Haut glänzt. Und die Männer? Alle froh und glücklich. Einfach so.“

Ich nahm einen Schluck Kaffee. Der Kaffee war mittlerweile kalt.

Der Alte starrte mich an. Sein Blick ging durch mich durch, geradewegs in die kahle Wand hinter mir. Er steckte das Feuerzeug ein. Wechselte das Thema. Redete über das Wetter oder so.

Der Wind strich über den Freisitz. Die Reichenberger blieb sonntäglich still.

 

# sentenz

 


Vermutungen sind das Tagesgeschäft der Ahnungslosen 





# short

 

 

 

Der Teppich, der kein Mensch wurde

Ich musste an ihre Wohnung denken. Nicht an sie, an ihre Wohnung. Wie die Dinge dort existierten. Sie lagen nicht einfach herum, sie saßen und standen, als hätten sie sich mitten in einer Bewegung erschreckt und wären erstarrt. Es gab keine Ordnung. Man musste Slalom laufen. Es fühlte sich an wie eine Werkstatt, in der niemand mehr arbeitet. „Ungemütlich“ ist nicht das richtige Wort dafür. Es traf es nicht. Die Dinge waren einfach nicht miteinander befreundet. Sie verweigerten das Gespräch.

Im Flur stand ein aufgerollter Teppich, direkt neben der Badezimmertür. Eine vertikales, graubraunes Ding, das Schatten warf. Jedes Mal, wenn ich aufs Klo ging, dachte ich: Oh, da steht jemand. Ich sagte kurz Hallo in meinem Kopf, bevor mir einfiel, dass es nur Wolle war. Hoffentlich war es nur Wolle.

Ihr Wohnzimmer, was auch das Schlafzimmer war, ging rechts von der Wohnungstür ab. Es war ein einziges Möbel-Experiment. In der Ecke ein Hochbett, darunter ein Schreibtisch. Am Fenster noch ein Tisch. Und links an der Wand ein dritter Tisch. Wenn man an Tisch Nummer drei saß, musste man den Kopf ganz seltsam nach rechts drehen, um aus dem Fenster zu sehen. Warum braucht ein einzelner Mensch drei Tische? Hatte sie drei verschiedene Persönlichkeiten, die alle gleichzeitig Briefe schreiben wollten?

In der Wohnung waren auch wunderschöne Sachen. Ein kleiner, uralter Sekretär. Ein ausgestopftes Hermelin, das aussah, als wüsste es ein Geheimnis. Verblassende Fotos in schwarz-weiß, geheimnisvolle Masken. Aber sie hatte diese Schätze umzingelt. Mit billigen, traurigen Sperrmüll-Möbeln, die die Schönheit der guten Dinge einfach erstickten. Ich war nicht unglücklich dort, aber das Hässliche war einfach lauter. Es gewann das Match. Man kann sich jetzt über Geschmack streiten, aber das ist mir zu anstrengend.

In der Küche gab es zwei Tische und keine Stühle. Man konnte dort nicht sitzen, nur stehen und existieren. Alles stand schief, als hätte das Zimmer Schlagseite.

Da war so wenig Leben in dieser Wohnung trotz all der Dinge.

Dabei redete sie ununterbrochen davon. Wenn sie sprach, klang sie wie eine Professorin für das richtige Leben. Sie wusste exakt, wie man glücklich wird, wie man atmet, wie man liebt. Sie hatte den Masterplan. Aber sie selbst war noch gar nicht eingezogen. Weder im Leben noch in dieser Wohnung.

Ich fand das komisch. Traurig-komisch, wie jemand, der versucht, sein eigenes Spiegelbild zu füttern.

 

 

 

# ein paar worte

 

 



Worte tanzen auf der Zunge

Pflanzen Orte

Sind sprechende Instrumente

Stimmen heilen

Buchstaben in Bewegung

Sich erheben

Ohne am Mund zu kleben

Ihrem Sinn enthoben

Klingen.



Erholsam das Sitzen auf der Bank deines Daseins

Dein Wesent-liches ist Reichtum

Der Mensch in dir poetisch



Die Unterarme auf der Fensterbank

Mein Hinteres

Verundbares

Schaut ins Nächtliche des Zimmers

Getrennt der Oberkörper

Durch einen hellen Vorhang von der

Sichtbarkeit des Raumes

Blind schau ich in die gelben Fenster

Gegenüber

Die gutmütige Macht - Dein

Ergreift das Innen



Streck‘ ich den Kopf herum

Zu deinem Antlitz

Mit einem leisen Ton zur Strasse hin

Erblicke ich dein lächelndes Leuchten.



Gegenstände liegen unsagbar still

Schwer hinzukommen

Durchzukommen

Scharfe, glatte Konturen

Im Nebel

Der Wand

Und das Liegen, die Lust, das Sein



Am Dienstag des Jahres

dem kalten Winter entkommen

bin ich nicht in der Lage

der Rede am Sinn vorbei

schon stimmt der Satz nicht mehr

der Anfang führt zum Ende nicht

Sonne biegt sich in den Raum

zu einem Uns

in deinen Traum .



Der nackte Rücken hebt sich von der Wand

Im blauen Licht Laubblätter springen über Pflastersteine



Wortlos hinter Gedanken

Schau ich Ereignissen zu

Lausche Stimmen, die nicht zu mir sprechen

Fotografiere was ich sehe ohne abzulichten

Auf Fingerkissen bette ich mein Gesicht

Meine Füsse sind auf dem Holz einer Mole

Wellen türmen sich

Feuer brennt in meinem Kopf



Die Nacht hat ihre Wahrheit

Ihre persönliche Klarheit

Da sie zerfällt im Angesicht des Tageslichts

Auf einer Fensterbank im Schatten des frühen Morgens

Hat sich die vergangene Nacht versteckt

In einer Vase am Rand getrocknete Blütenblätter

Im Kern unberührt

Die Macht der Dinge kam über uns

Vier Wochen ohne Regen

Reglos

Ein Abdruck im Lacken

Verweilen in Armen

Alternde Schönheiten

Risse in der Haut tragen Namen

In Schubladen verschwinden Fotografien

Versatzstücke der Erinnerung – ein verstummtes Lied

Dieses rückt nahe

Jenes tritt zurück in die Menge.

 

 

 

 

# Sommer Haiku

 

 

 

 

 

Himmel, weit und blau,
sucht den Blick und fängt uns auf,
keiner ist allein.
 

# Fantasien sind nicht für die Wirklichkeit

 

 

 

 

Bei A weckte ich erotische Fantasien. A war 3, 4 Jahre jünger als ich, dafür doppelt so betrunken und das auch drei Mal so oft. Gut. Das ist ok. Es erfordert schon Mut nüchtern zu sein. Angesichts von allem, Krisen, Krisen, Kataklysmen. Ein gesunder Hormonhaushalt machts auch. Das kam nicht von ungefähr. Wir hatten bei einem Salonabend mal geknutscht. Ja, na ja und! Küssen machte Laune. And girls wanna have fun. Ja über die Fun-Kultur kann sich jeder ärgern wie er will. Mir gingen die Nihilisten meist männliche Kollegen, also die Alltags-Kollegen im Leben, auf den Sender. Männer in den 2000er Jahren waren auch schon wie Mädchen oder schwul und oder beides. Ich hab das von der Metropole aus beobachtet. Das fing an, ich denke es fing lange vor mir an, wie alles, und mich hatte keiner gefragt. Nein. Mich nicht. Also mir fielen Dinge in der Mode auf. Im Osten der späten 80er Jahre trugen meine Schulfreundinnen die Jeans unserer Altersgenossen aus dem Westen auf, ja auftragen, stone washed, wurde das genannt. Ich fand es furchtbar sowohl den Look als auch Sachen auftragen, also die Sachen von Fremden, deren Großzügigkeit man dann auch noch bewundern sollte, also bitte? 2013 tragen die Leutchen wieder stone washed, das ist eben der Look, der mich auf den Gedanken brachte „alles Mädchen, alle homosexual“, vor allem wegen der Jeans, die bis in die Kniekehle hängen, arschlos anders gesagt, wie sollen die denn ihren Mann stehen? He? Gut, ja, das wollen die nicht. Nur wenn hinter dem das-wollen-die-nicht ein das-können-die-nicht wegen der beklemmenden Kleidung steht, gibts größere Probleme - ich verlor nach und nach den Respekt. Das ist einfach ein saublödes Gefühl Respekt und Achtung zu verlieren. Aber zurück zu A und mir: das endete noch in derselben Nacht.

Im Westen übrigens immer noch nichts Neues, auch nach 2020 nicht

 

 

 

 

# wo wir sind

 

wo wir sind - Krisen und Kataklysmen (Auszug)

Das 21. Jahrhundert ist zugegebenermaßen das Jahrhundert der Krisen. Gerademal ein Viertel des Jahrhunderts ist vergangen und Eruptionen von Krisen bestimmen es. Alles was unsere Gesellschaft, unsere Gemeinschaft, unser Leben ausmacht, lässt sich mit dem Wort ‚Krise‘ kombinieren: Demokratie in der Krise, Kulturkrise, Relgionskrise, Klimakrise, Gesundheitskrise, Bildungskrise, Krise des Selbsts, Ökonomie in der Krise, Informationskrise. Neben den wachsenden Krisen drängen tieferliegende Konflikte an die Oberfläche. Oder folgen Krisen einem Zwiebelprinzig?, eine Krise ist entlarvt und schon zeigt sich die nächste.

Unser Fokus liegt hier auf den Phänomenen, die unsere Erde betreffen, was unsere Lebensgrundlage ist. Überbevölkerung in Ballungszentren ist problematisch wie die Polkappenschmelze – Verringerung der arktischen Meereisbedeckung kann einen Einfluss auf Jetstreams haben. Jetstreams sind extrem starke Windbänder in der oberen Erdatmosphäre (etwa 8 bis 12 Kilometer Höhe), die mit bis zu 500 km/h um die Erde wehen. Sie entstehen durch die Temperaturunterschied zwischen den kalten Polen und dem heißen Äquator und sind der Hauptantrieb für Hoch- und Tiefdruckgebiete. Laut Institut Alfred Wegener in Potsdam schwächt der Jetstream sich im Winter ab und somit treten häufiger blockierende Wetterlagen auf. Schwankungen im Jetstream führen zu extrem Wetterlagen. Es kommt dann zu langanhaltenden Wetterlagen, was bedeutet das es bei Regen zu Überflutungen kommt und wenn ein Hochdruckgebiet über uns ist, kann es zu Hitzewellen und Trockenheit führen. Die Arktis hat sich in den letzten 50 Jahren um 3 Grad erwärmt.

Hitzewellen nehmen nicht linear mit der Erwärmung zu, sondern stark überproportional. Hitzewellen wie sie früher nur alle 50 Jahre aufgetreten sind, wie Ende des 19. Jahrhunderts, sind heute schon deutlich häufiger geworden. Einige Gebiete auf der Erde droht die Unbewohnbarkeit, das ist bereits der Fall in der Karibik, in Mexico, in den Vereinigten Staaten, Pakistan, Indien, das tropische Asien – auch diese Bedingungen treiben Millionen Menschen in die Migration (Klima-Flucht und wetterbedingte Wanderungen bei Tieren. Eine aufgewärmte Atmosphäre kann auch mehr Luftfeuchtigkeit aufnehmen und führt somit zu mehr und stärkeren Winden.

Der Wind nimmt zu und es kommt weltweit zu Extremwettersituationen. Die Windgeschwindigkeiten der Winterstürme werden höher, in Mitteleuropa um bis 5 % und die Stürme dauern länger als früher. Die Schäden, die sie anrichten werden größer. Steigender Meeresspiegel am Atlantik, zum Beispiel Biarritz, heftige Meeresstürme mit Sturmfluten, die Strände werden flacher, Massiv veränderte Windverhältnisse beeinflussen das Leben auf der Erde. Der Klimawandel hat Auswirkungen auf das Verhalten von Tieren, insbesondere die Fortbewegungsgeschwindigkeit einer Tierart.

Die Endlichkeit der Rohstoffe wird ignoriert, genauso wie die Begrenztheit eines Wachstumsmusters. Es ist kein exponentielles Wachstum möglich mit endlichen Rohstoffen.

# dare or truth

 

 

 

 

Ich mache gerade Ferien von einem Leben, das ich nicht will. Wo? In der Wohnung, für die ich Miete zahle. Unter'm Dach. Das Konzept von Urlaub hab ich wirklich nie verstanden: irgendwo hinfahren, wo ich sein will um wieder dahinzurückzufahren, wo ich nicht sein will. Das Hin und Her ist nichts für mich. Ich muss mich dann vor allem von dem Zurück nach da wo ich sein muss, erholen. Das ist ungut. Lieber bin gänzlich da wo ich nicht sein will und begreife wo das herkommt. Alles kommt irgendwoher, wir auch. Ich widme mich wenigen Dingen. Die Dinge sind nur noch Mittel zum Zweck, keine Erinnerungsstücke. Dinge kommen und gehen wie Gedanken, Gefühle, Menschen und Erinnerungen an all das und das Wissen um mehr. Da war einmal mehr in dem Weniger und die Meisten scheinen das vergessen zu haben. 

Bist Du im Urlaub oder geht Deine Seele reisen?

 

 

 

 

# Ende Mai

 

 

 

 

Passend zur Saison Rasen mähen, werden Phrasen gedroschen. Unerträglich. Beides. Morgens um 8 verabreden sich Männer in verschiedenen nebeneinanderliegenden Innenhöfen zum Phrasen dreschen, ich meine Rasen mähen. Nicht nur das! Das Kakaphonie-Konzert dauert 1,5 Stunden an und lässt sich schwer ignorieren, auch mit ich-hör-Musik-nur-wenn-sie laut-ist nicht. Die Brutalität der Lautstärke hat auch die Mauersegler vertrieben. Aber brutal kennen wir ja, brutal können wir. Der erste Neurodivergenz-Schub ist vorbei und man kann sich wieder dem Tagesgeschäft 'Leben' widmen. Es ist Sommer: Sonne, Bikini, Badeurlaub - ich mach Yoga. 

 

 

 

 

 

# the web

 

 

 

In unseren Leben weben wir Netze, die Teil anderer gewobener Netze sind. Die Knotenpunkte im Netz sind all unsere Begegnungen. Zelebrieren wir diese Begegnungen und erkennen wir was sie uns zu sagen haben

 

 

life itself is lived as practical ceremony where all thought is prayer 

# mo

fühlt & denkt

 

# she/ he

 





Friday night in his kitchen

her lips were red bright red

he was loud

his everyday life screamed

at her

his glass was emptied quickly

she was in fear for him, for herself for what could be

he was a prisoner of his daily life

she wanted an Us

Here and now

He ordered her around

then she was gone

although she was still there

 

 

 

 

 

 

# Der Weg und der zerbrochene Ring

 





Wer auf dem Weg ist, begegnet dem Bekannten wie dem Unbekannten. Beides fordert unser ganzes Sein, unsere gesamte Aufmerksamkeit. Wir kommen auf dem Weg immer wieder an Weggabelungen, wo wir uns entscheiden müssen welche Richtung wir einschlagen. Wir sind allein auf diesem Weg und wir können einzig und allein unserer Intuition trauen. Dabei fällt mir ein Rätsel ein, dass wir uns als Kinder erzählt um uns zu erinnern... das ging so: In einem Wald wohnen in einer Holzhütte zwei Brüder, eineiige Zwillinge, zum verwechseln ähnlich. Das Haus der Brüder steht an einer Weggabelung, rechts geht es in die Stadt und links tiefer in den Wald. Du willst den Weg in die Stadt erfahren, weißt aber, dass einer der Brüder stets die Wahrheit sagt und der andere stets lügt. Du willst den Weg wissen und musst dir genau überlegen welche Frage du stellst. Was ist die eine Frage, die dir in jedem Fall den rechten Weg weisen wird?

Weggabelungen zwingen uns zu Entscheidungen. Macht das Angst? Manchmal ja. Doch Entscheidungen bringen uns etwas näher. Ja, näher. Was fragst Du Dich jetzt? Mit jeder Entscheidung treffen wir eine Wahl. Das Wissen wählen zu können, eine Wahl zu haben, erinnert uns an unsere Kraft. Zu wissen, dass wir die Wahl haben, macht uns resilienter für den kommenden Sturm. Erinnere Dich: Du hast die Wahl, weil Du Entscheidungen treffen kannst. 

Auf meinem Weg, stand ich in einem unbestimmten Raum. Es war warm. Ich schaute auf meine Hände und sah, dass ich zwischen Zeigefinger und Daumen beider Hände einen Ring halte. Ich habe den Ring zerbrochen. Es war leicht. Ich habe mich gewundert wie leicht es war. Als ich mir die beiden Teile des Ringes anschaue, erkenne ich eine gitternetzartige Struktur und dass auch diese nicht mehr miteinander verbunden ist. 

Wenn wir die innere Struktur von Verbindungen gelöst haben, brechen wir die inneren Verträge auf, die uns an eine Realität halten, die uns nicht mehr dient. Was wir tun können, um die inneren Strukturen zu erlösen? Wir können uns unseren Süchten stellen, wir können so viel Stille wie möglich um uns und dann in uns erschaffen, wir können uns so oft wie möglich zurückziehen und wir können ein Gebet der Dankbarkeit aussprechen, wir können uns auf das konzentrieren was wir ändern können und es tun







# haben & sein

 



Was ich nicht habe, kann mir niemand nehmen

Was ich habe, bin ich und das ist nicht austauschbar und nicht verhandelbar

Was ich bin, kann niemand haben 

Wer bist du?

Was ist das Unzerstörbare in Dir?




# tausend Jahre

Tausend Jahre durch wachsende

Wüsten gehen; das Gedächtnis der

Welten als Proviant

In verwüstete Seelenlandschaften

sehen, wenn Zeitalter sich ihrem

Ende neigen

Von Tristesse herrührende Müdigkeit

nistet sich verstohlen in den

Eingeweiden ein

Spuren einstigen Miteinanders ver-

wehen im vom Wind und von Schritten

aufgetriebenen Sand

Einzelne Fremde, unter ihnen Plünderer,

kreuzen den Weg

Die Himmel legen sich über die Trug-

bilder am Horizont



Nahrung ist ein ewiges Gebet

Auf der Suche nach magischen

Begegnungen, gleichsam diese

erinnernd – wie Wasserperlen auf der Zunge -

einer unsichtbaren Karawane folgen…



und tausend Jahre träumen





Mo Haver ist Autorin und Beraterin. Bisher: Veröffentlichungen auf Online-Plattformen, in Anthologien und Literaturzeitschriften, Tagblende im Literareon-Verlag und Gefallene Gedanken im Engelsdorfer Verlag. Schreiben ist Heimat.