# she & him I

 

 


 

SIE & ER I

Sie saß im Sessel

er vorm Fenster

zwischen ihnen Bücherstapel

auf dem Tisch

ihr Kopf war voller Träume

Ideen Illusionen

seiner schrie vor Wissen

dass sie kalte Hände bekam

zwischen ihren Schenkeln verbarg

er schaute in eine Weite

sie ihn an

da waren keine Brücken

keine Wege

keine Zugänge

nur ein Haus

ohne Tür.

 

SHE & HIM I

She sat in the armchair

he sat in front of the window

between them on the table

piles of books

her mind was full of dreams

ideas illusions

her hands

buried in her lap

went cold

while his mind screamed with knowledge

he looked into the distance

she looked at him

there were no bridges

no roads

no access

just a house

without doors

 

# demons can dance

 


 

Ich wache auf. 3 Uhr 47. Kein Mond, kein Laut, kein Gefühl. In mir. Nichts. Ich liege auf dem Rücken. Ich, das bisschen Etwas, im Nichts. No thing. Die Beine flach ausgestreckt. Meine linke Hand liegt auf der rechten. Beide ruhen auf meiner Brust. Mein Körper ist zugedeckt. Ich liege nackt unter der Decke. Der Raum ist gut sichtbar, obwohl meine Augen geschlossen sind. Die Dinge liegen schweigend da. Mit neongrünen Umrissen. Ich erinnere mich an meinen Traum. Ich liege unter einer Pyramide. Ich bin nicht Körper. Ich bin stummes Schreien. Tief in der Erde. Es ist dunkel wie in dem Raum, in dem ich liege. Mir ist warm unter der Erde. Ich höre Schritte. Diese Schritte durchmessen mich. Füsse hinterlassen Abdrücke. Menschen gehen in den Sälen meines Selbst. Was ist das Selbst? Eine Sammlung von Erinnerungen? Was bin ich ohne Erinnerungen? Wer braucht das Selbst? Wer sich verliert, findet sich. Sie suchen mich heim. Sie sind zu mir gekommen. Viele Menschen – eine Karawane voll Träume. Was wollen sie? Wo kommen sie her? Ich liege still da. Erkenne Schatten ohne Körper. Immer dieses Wollen in der Welt. Ich will nichts von euch. Verschwindet! Haut aus mir ab. Ich tauche tiefer. Tiefer hinab in die Dunkelheit. Moses führte die Ungläubigen in die Wüste, steht im Buch geschrieben. Die Wüste hat Augen. Wieso hat die Wüste Augen? Weil du allein bist und die Wüste dich anschaut. Sie betrachten mich, tausende Augen. Hände durchwühlen mich. Sie öffnen Gang um Gang, heben Steinplatten von Steintruhen, kommen weiter in mich hinein. Hinter mir raschelt es. Die Packung Taschentücher auf dem Glastisch. Ich bewege mich nicht. Ich drehe den Kopf nicht nach hinten. Meine Augen kreisen den Raum ab wie die Scheinwerfer vorbeifahrender Autos auf der Strasse. Den Raum abscannen. Der Raum liegt schwer auf mir. Ich höre ein Atmen. Ich halte den Atem an. Ich sammele die Luft in mir. Ist er es? Wieder. Wie jeden Monat. In meinem Zimmer. Ich bin umgezogen. Habe das Land gewechselt. Egal. Was interessieren ihn Grenzen. Es ist sein Atem. Noch ist er 2 Meter von mir weg. Noch glaubt er, ich schlafe. Noch fühle ich seinen Atem nicht auf meiner Haut. Nachts, wenn alles still da liegt, die Dinge ruhen und Menschen schweigen, weil der Schlaf sie vor mehr lauter Gedanken rettet. Er kommt näher. Wieder und wieder und wieder. Jeden Monat. Er besucht mich. Er weiß, wo er mich suchen muss. Er findet mich immer. Seit Jahren. Er lässt keinen Monat aus. Er ist pünktlich. Er kommt in der Nacht. Ich kann mich auf ihn verlassen. Er will mich. Er greift meine Hüfte. Krallt sich fest. Ich spüre seinen Atem in meinem Nacken. Ich bin blind. Seine Lust erstickt mich. Diese Gier widert mich an. Wann fing das an? In irgendeinem Sommer. Da kamen die Schatten…

# für jemand

 

 


 


Gegen den Strom –

das einzige Gesicht

das Treiben der Anderen

eine singende Euphorie

Du denkst Dein Lied bleibt unerhört

Reiterinnen auf unsichtbaren Pferden

nehmen Dich mit

Lachen

Du bist davon dämonisiert

das Gut der Kaufleute hat keinen Wert

Deine Wildheit ist unbezähmbar –

verwegen ragt jemand aus der Menge.

 

# minimalismus

 

 

 

Mininmalismus als Einrichtungskonzept in aller Munde, überall auf social media, aber in den wenigsten Haushalten wirklich umgesetzt. Nicht das man das tun müsste: Minimalistisch leben. Doch ein kleinen Wenig Bescheidenheit würde uns gut zu Gesichte stehen. Wenn man wie ich Minimalismus als Lebenskonzept lebt, wenn es gewissermaßen eine Frage des Stils ist, ergeben sich die Dinge im Grunde von selbst. Nur: Ich muss zugeben, dass bei mir Minimalismus angeboren ist. Ich ging lange in der Annahme, dass das mit dem Fluchthintergrund meiner Großmutter und Urgroßmutter zusammenhing, aber nein, es ist angeboren - mein Blick durch die Erscheinungen hindurch. Mir war früh klar, dass viele Dinge viel Raum brauchen und das anderes Leben auch Raum braucht und das es sinnvoll ist nicht alles zu vereinnahmen und meine Zeit damit zu verbringen Dinge von A nach B zu bringen, sie versichern zu müssen, nachdem ich sie verstaut habe. Mir war die Einfachheit schon immer lieber, auch wenn ich die Schönheit der Dinge liebe. Ich habe gelernt die Schönheit zu ehren ohne sie besitzen zu müssen. Ich wünschte wir würden zu einem gewissen Maß an Bescheidenheit finden können

 

 

 

# klarheit - experiment

 

 

 

 

Lust auf ein kleines Experiment? Vielleicht macht das einer von euch ja schon?! Dann lässt sich das ausbauen... Ich hab mit diesem Experiment angefangen, als ich in Berlin lebte und mit Filmemachern Drehbücher dramaturgisch bearbeitet habe. Also das geht so: Wenn ich mir auf einen Film anschaue oder Instagram-Reels oder Interviews, lasse ich den Ton weg. Den Ton einfach weglassen und nur das Bild anschauen. Ich konzentriere mich auf den Rhythmus der Bilder, den Schnitt, die verschiedenen Bildeinstellungen, Nahe, Totale etc. und ich sehe viel genauer was im Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund passiert. Alles vermittelt eine Stimmung auch aufgrund der Farben und des Lichts, logisch. Dann schaue ich mir die Interaktion der Schauspieler, Interviewpartner, Protagonisten an: es geht nicht darum wie sie ausehen oder wie sie geschminkt sind, es geht mir um den Gesichtsausdruck, sehe ich Ticks, sehe ich unterdrückte Gefühle... Ich mache das regelmäßig. Warum? Es trainiert mich mich auf das zu konzentrieren was vor sich geht, nicht was gesagt wird. Das Ganze lässt sich natürlich in den Alltag, in die eigene Lebensrealität übertragen: Denn was wäre das Training ohne Bezug zu Realität? Ich schaue mir Leute an, wenn sie so durch die Gegend laufen, mit anderen Leuten sind und sich unbeobachtet fühlen. Nein, mir geht es nicht darum mich lustig zu machen oder d i e Wahrheit zu finden, mir geht es um Beobachtungen in meiner direkten Umgebung. Wir erinnern uns: Beobachtungen dienen der Analyse und die Analyse führt zur Deutung.

Auf social media entlarvst du mit dem tonlosen Schauen Muster, Wiederholungen, Egomanen und schönen Schein. Mit Ton sieht alles ganz anders aus, du wirst sehen.

Für Fortgeschrittene: Übung A) Im Gespräch einfach mal versuchen den Ton des Gegenübers auszuschalten und sich nur darauf konzentrieren wie etwas gesagt wird, wie der Körper spricht und ob die Körpersprache eine Einheit ist. Ein paar Minuten genügen. B) Die Übung umkehren: Den Filmton von irgendeinem Film der Wahl anschalten, sich dabei vom Filmbild weglegen, so ungefähr 5 - 10 Minuten zuhören und fühlen was der Sound mit Dir macht!

Bald kommen mehr Experimente! Lasst euch vom politischen Geschehen nicht so sehr beunruhigen, soweit das an dem Ort geht, wo ihr lebt, zelebriert das Leben, das Leben wird es euch danken. 

Ich wünsche euch Kraft und Schutz 

 

 

 

# Räume

 

 

Der Mensch hat sich beinahe alles erschlossen und dennoch weiß er nichts. Jeder Lebensraum ist angefasst, beleuchtet, erfasst. Wie kommt es, dass bei allem Forschungsdrang und angesichts aller wissenschaftlichen Fachrichtungen weniger entdeckt wird als vielmehr zerstört? Steile These? Mit Nichten!

Menschen wollen den Weltraum erobert haben, dabei haben sie dort Material platziert, dass die Erdatmosphäre beeinflusst und das Leben auf der Erde maßgeblich beeinträchtigt. Der Mensch feiert unterdessen auf Kosten anderen Lebens und auf Kosten als tot deklarierter Materie seinen Luxus und Konsum. Aber wie kann Leben aus toter Matiere hervorgehen? Diese Frage gehört zu einem Katalog an Fragen, die Denkfehler offenlegen. Denkfehler, die sich aus dem falschen Gebrauch von Sprache ergeben und Denkminen schaffen. Wer Dinge nicht mehr sagen darf, entwickelt bei ausgebildetem kritischen Verstand entweder einen doppelten Boden des Denkens oder das Denken versiegt wie eine Quelle in den Bergen, weil der Sprecher mehr mit Sprachdoktrin beschäftigt ist als mit dem Formulieren eines Gedankens. 

Menschen tun sich und anderen tagtäglich derartig viel Gewalt an, dass es Normalität ist. Gewalt ist das Strukturelement. Und solange Menschen annehmen Gewalt sei eine Lösung oder der Modus operandi, brauchen wir uns nicht wundern über die Phänomene unserer Zeit. 

 

 

 

 

# die lösung liegt dazwischen

 

 

 

Die Wirklichkeit und wie wir sie sehen: Im Grunde sehen die Wenigsten von uns die Wirklichkeit wie sie ist. Unser Blick ist verzerrt durch Wünsche, Ansprüche, Vorstellungen, Ego-Projekttionen, Bestrebungen - all das lässt uns nicht sehen oder erleben was ist, ganz im Gegenteil, es bringt eine Trennung zwischen mich und die Welt und die Natur. Es ist wichtig, dass wir auch hier eine Unterscheidung treffen: zwischen Natur und Welt. Die Natur ist unser Leben, da kommt alles Leben her. Die Welt ist eine Struktur aus Verwaltungen, Technologien, Infrastrukturen. Wenn wir Urlaub machen, fahren wir in die Natur und wir fahren wieder aus ihr zurück in unsere Zusammenhänge in der Welt. Warum fühlen wir uns wohl in der Natur, auch wenn sie uns unbegreiflich ist? Warum neigen Menschen in den Städten zu immer mehr Extremen? Schon mal darüber nachgesonnen? 

Woran erkennen wir, dass wir die Wirklichkeit nicht sehen? Das erkennen wir daran, dass die Interpretation nichts mit dem erlebten Phänomen zu tun hat oder anders ausgedrückt, wenn die Deutung nicht in uns resoniert. Wir neigen schnell dazu Dinge und Phänomene einzuordnen; sicher um uns nicht weiter damit beschäftigen zu müssen. Doch um Erscheinungen in der Natur und der Welt - beide sind unsere Wirklichkeit - überhaupt interpretieren also deuten zu können, ist eine eingängige Analyse notwendig. Beispiel: Nehmen wir einen Menschen, den wir kennen oder nicht kennen. Wir konzentrieren uns im Regelfall darauf, was uns erzählt wird von dem Gegenüber, den Rest der Zeit sind wir mit Selbstregulation und unseren Umständen sowie bereits mit den nächstliegenden Aufgaben beschäftigt. oWas uns entgeht, schon in einer einfachen Alltagssituation: wo der Blick des anderen hingeht, der Tonfall der Stimme, der Umgang mit den Gegenständen, die Bewegung der Hände beim Sprechen und vieles mehr. Sobald alle diese Details analysiert werden, ergeben sie zusammengenommen eine Deutung der Situation mit diesem Menschen. Ja, nun könnte das Gegenargument kommen, wozu das Ganze?, warum so misstrauisch? Da bleibt nur zu sagen: wem sein Leben etwas Wert ist und die Visionen und Vorhaben, dem ist eine gute Beobachtungsgabe, die trainierbar ist sowie die Analyse oberste Priorität. Warum es hilft uns Entscheidungen zu treffen. Jeder von uns hat jeder Zeit Entscheidungen zu treffen. 

Merkt euch: Erst das Beobachten, als nächstes die Analyse des Beobachteten und dann die Deutung. Aho