Ich wache auf. 3 Uhr 47. Kein Mond, kein Laut, kein Gefühl. In mir. Nichts. Ich liege auf dem Rücken. Ich, das bisschen Etwas, im Nichts. No thing. Die Beine flach ausgestreckt. Meine linke Hand liegt auf der rechten. Beide ruhen auf meiner Brust. Mein Körper ist zugedeckt. Ich liege nackt unter der Decke. Der Raum ist gut sichtbar, obwohl meine Augen geschlossen sind. Die Dinge liegen schweigend da. Mit neongrünen Umrissen. Ich erinnere mich an meinen Traum. Ich liege unter einer Pyramide. Ich bin nicht Körper. Ich bin stummes Schreien. Tief in der Erde. Es ist dunkel wie in dem Raum, in dem ich liege. Mir ist warm unter der Erde. Ich höre Schritte. Diese Schritte durchmessen mich. Füsse hinterlassen Abdrücke. Menschen gehen in den Sälen meines Selbst. Was ist das Selbst? Eine Sammlung von Erinnerungen? Was bin ich ohne Erinnerungen? Wer braucht das Selbst? Wer sich verliert, findet sich. Sie suchen mich heim. Sie sind zu mir gekommen. Viele Menschen – eine Karawane voll Träume. Was wollen sie? Wo kommen sie her? Ich liege still da. Erkenne Schatten ohne Körper. Immer dieses Wollen in der Welt. Ich will nichts von euch. Verschwindet! Haut aus mir ab. Ich tauche tiefer. Tiefer hinab in die Dunkelheit. Moses führte die Ungläubigen in die Wüste, steht im Buch geschrieben. Die Wüste hat Augen. Wieso hat die Wüste Augen? Weil du allein bist und die Wüste dich anschaut. Sie betrachten mich, tausende Augen. Hände durchwühlen mich. Sie öffnen Gang um Gang, heben Steinplatten von Steintruhen, kommen weiter in mich hinein. Hinter mir raschelt es. Die Packung Taschentücher auf dem Glastisch. Ich bewege mich nicht. Ich drehe den Kopf nicht nach hinten. Meine Augen kreisen den Raum ab wie die Scheinwerfer vorbeifahrender Autos auf der Strasse. Den Raum abscannen. Der Raum liegt schwer auf mir. Ich höre ein Atmen. Ich halte den Atem an. Ich sammele die Luft in mir. Ist er es? Wieder. Wie jeden Monat. In meinem Zimmer. Ich bin umgezogen. Habe das Land gewechselt. Egal. Was interessieren ihn Grenzen. Es ist sein Atem. Noch ist er 2 Meter von mir weg. Noch glaubt er, ich schlafe. Noch fühle ich seinen Atem nicht auf meiner Haut. Nachts, wenn alles still da liegt, die Dinge ruhen und Menschen schweigen, weil der Schlaf sie vor mehr lauter Gedanken rettet. Er kommt näher. Wieder und wieder und wieder. Jeden Monat. Er besucht mich. Er weiß, wo er mich suchen muss. Er findet mich immer. Seit Jahren. Er lässt keinen Monat aus. Er ist pünktlich. Er kommt in der Nacht. Ich kann mich auf ihn verlassen. Er will mich. Er greift meine Hüfte. Krallt sich fest. Ich spüre seinen Atem in meinem Nacken. Ich bin blind. Seine Lust erstickt mich. Diese Gier widert mich an. Wann fing das an? In irgendeinem Sommer. Da kamen die Schatten…

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