Es ist eigentlich ziemlich unerträglich, wie fleißig wir darin sind, Dinge kaputtzumachen. Jeden Tag fügen Menschen sich selbst Verletzungen zu, sich, anderen, Mutter Erde, Mutter Natur. Wir sind so sehr damit beschäftigt Ziele zu erreichen, uns selbst zu optimieren, uns den ganzen Tag um uns selbst zu drehen, dass wir das Wesentliche nicht nur verpassen, sondern auch verletzten: unsere Leben. Wir lassen wirklich nichts aus. Es ist ein ständiges, dumpfes Draufhauen, als gäbe es einen geheimen Wettbewerb darin, wer sich am effektivsten gegenseitig vernichtet. Wenn man darüber nachdenkt, ist das ziemlich erschreckend. Aber wem erzähle ich das? Ihr schaut ja auch Nachrichten.
Und dann gibt es diese ganz spezielle Sorte Mensch. Die, die morgens aufwachen und nichts Besseres zu tun haben, als anonymisierte Nachrichten zu verschicken. Youtube-Videos produzieren für noch mehr Zufuhr, Ego oder Bankkonto oder beides. Ungebetene Ratschläge frei Haus. Kommentare, nach denen niemand gesucht hat. Sie gehen einem auf den Sender, aber sie haben gar keine Botschaft. Marshall McLuhan würde in sein Kissen schreien. Wenn der Sender nichts mitzuteilen hat, ist das eine Null-Botschaft. Auf Kosten von uns allen. Der Sender dealt dann quasi mit dem Nichts. Das ist fast schon wieder eine Leistung.
In meinen Kreisen ist es ein absolutes No-Go, unaufgefordert Tipps zu geben. Da muss jemand schon an akuter Langeweile oder mittelschwerer Selbstüberschätzung leiden. Aber gut, das kommt vor. Wir sind ja gerade alle in ziemlich verwirrenden Zuständen untergebracht. Da verspüren Leute eben plötzlich den Drang, der aus der Angst geboren ist, einem anderen zu erklären, wie die Welt läuft.
Warum kotzen sich die Leute eigentlich ständig gegenseitig voll? Ach so, ja. Weil natürlich immer einer schlauer ist als der andere. Stimmt, hatte ich kurz vergessen. Genau deswegen glauben diese Leute auch alle, das Mittelalter sei vorbei. Niedlich. Sehr süß. Nur weil jetzt alles so dolle elektrifiziert ist und wir Klamotten aus Erdöl tragen? Naja. An Äußerlichkeiten kann man sich schon mal aufhängen. Macht nichts, merkt nämlich auch keiner.
Bei all dem Geblubber und Geplapper auf – ihr wisst schon wo – kann sich am Ende eh keiner mehr verstehen, geschweige denn konzentrieren. Wie soll man auch jemanden hören oder sehen, wenn man ununterbrochen mit sich selbst beschäftigt ist? Das ist ein bisschen schwierig. Hauptsache, man hat irgendwas gesagt. Missverständnisse gibt es dann inklusive, genau wie bei den Großen. Nur halt ohne echte Waffen und am Ende genauso vernichtend wie Vergleiche mit anderen.
Tja. Da draußen wird tagtäglich über Leichen gegangen. Oder Moment – sie gehen über Menschen, genau genommen. Genaunehmen ist so eine Art Berufskrankheit von mir. Oder künstlerische Freiheit, sucht es euch aus. Jedenfalls gehen die einen Menschen, das sind dann Projektmanagerinnen, Vorstände, CEO’s über andere Menschen drüber. Und während das passiert, während all dieser Lärm die Luft dick macht, sitzt man da.
Und dann ist das Summen einer einzigen Biene am Fenster plötzlich so etwas wie ein Wunder. Und der Blick nach oben in den Himmel – so etwas wie Rettung.
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