# Leben ist in jedem Moment



Die Frage ist nicht, ob. Sondern wie.

Wir wissen, dass nachhaltig zu leben und zu handeln gut ist.

Wir wissen, dass es gut ist, Ressourcen zu bewahren. Wir wissen, dass unsere Kultur Risse bekommen hat. Wir wissen, dass wir irgendetwas falsch machen, weil es sich nicht richtig anfühlt. Und wir wissen auch, dass wir etwas ändern müssten.

Nur wissen wir nicht: Wie?

Und genau da beginnt es interessant zu werden.

Denn in dem Moment, in dem wir uns fragen, wie etwas verändert werden kann, verlassen wir die reine Feststellung des Problems. Wir beginnen, über Lösungen nachzudenken. Vielleicht mit vielen offenen Fragen. Aber wir beginnen. Die Frage nach dem „Wie“ ist deshalb mehr als eine Frage nach dem richtigen Weg. Sie ist bereits ein erster Schritt zur Veränderung.

Vielleicht ist die Frage „Wie können wir etwas ändern?“ deshalb viel wichtiger als die Frage, ob wir überhaupt etwas ändern können – oder ob wir überhaupt etwas zu ändern haben.
 

Über das „Ob“ lässt sich lange diskutieren. Beim „Wie“ wird es konkret.

Und wer fängt damit an? Wer will der Erste und die Erste sein? 

Wir wissen, dass Konsum uns am Ende ruinieren kann.

Wir sprechen über Überkonsum, über Ressourcenverbrauch und darüber, dass wir mehr verbrauchen, als nachwachsen oder ersetzt werden kann.

Aber wissen wir auch etwas über Zwangskonsum?

Über den Teil unseres Konsums, der gar nicht mehr aus einer bewussten Entscheidung heraus entsteht? Es ist der Teil des Konsums, den wir vollziehen müssen um überhaupt teilzunehmen.

Vielleicht kaufen wir nicht nur, weil wir etwas brauchen. Vielleicht konsumieren wir manchmal, weil Konsum selbst zu einem vertrauten Muster geworden ist. Weil er uns belohnt. Weil er uns beruhigt. Weil er uns das Gefühl gibt, etwas verändern zu können – ohne unser Leben wirklich verändern zu müssen.

Wenn es einfach wäre, würden wir es tun.

Aber was würden wir tun, wenn wir könnten?

Unser Leben, unseren Alltag verändern? Was wäre das Erste was DU sofort und leicht umsetzen kannst? 

Was würden wir tatsächlich verändern, wenn plötzlich alle Möglichkeiten offen wären?

Der Geist und Fischers Frau

Was würden wir tun, wenn uns – wie in einem Märchen – ein Geist die Macht gäbe, unsere Wünsche zu erfüllen?

Würden wir wissen, was wir uns wünschen sollten?

Oder würden wir einfach das wünschen, was wir ohnehin schon zu wollen gelernt haben?

Mehr.
Besser.
Schneller.
Bequemer.

Vielleicht sollten wir dabei an Fischers Frau denken.

Die Geschichte ist bekannt: Ein Wunsch wird erfüllt, dann der nächste. Und noch einer. Die Möglichkeiten wachsen – und mit ihnen die Wünsche. Bis aus dem Wunsch nach einem besseren Leben der Wunsch nach immer mehr Macht wird.

Am Ende steht nicht die Erfüllung, sondern der Verlust und die Rückkehr zum Ausgangspunkt.

Vielleicht liegt die Gefahr also nicht nur darin, dass wir zu wenig wissen.

Vielleicht liegt sie auch darin, dass wir aus unserem Nichtwissen heraus übermütig werden.

Wir wünschen uns Veränderung.

Wir wünschen uns Möglichkeiten.

Wir wünschen uns ein besseres, bequemeres Leben.

Und vielleicht kommen wir genau damit wieder am Anfang an.

Denn wissen wir wirklich, wohin uns unsere Wünsche führen?

Was ist eigentlich ein gutes Leben?

Das ist vielleicht die unbequemere Frage.

Wir haben gelernt, Möglichkeiten mit Fortschritt gleichzusetzen. Mehr Auswahl scheint besser als weniger. Mehr Komfort scheint besser als weniger Komfort. Mehr Konsum scheint Wohlstand zu bedeuten.

Aber irgendwann müssen wir uns fragen, was davon tatsächlich zu einem guten Leben beiträgt.

Und vielleicht müssen wir dabei wieder stärker auf unseren eigenen Menschenverstand hören.

Nicht, weil dieser unfehlbar wäre.

Sondern weil wir eine Verantwortung haben, die niemand für uns übernehmen kann.

Denn wenn wir nicht anfangen, selbst zu beobachten, selbst zu hinterfragen und selbst zu bewerten, wird es für andere einfach.

Solange wir den Wunsch haben, alles möglichst einfach und bequem zu haben und gleichzeitig anderen überlassen, was das bedeutet, was wir brauchen und wie wir unsere Entscheidungen bewerten, geben wir Verantwortung ab.

Wir lassen andere definieren, was ein gutes Leben ist.

Andere entscheiden, was wir brauchen.

Andere bewerten, was richtig oder falsch ist.

Und irgendwann merken wir vielleicht gar nicht mehr, dass wir selbst aufgehört haben zu entscheiden.

Ver-Antwortung

Vielleicht beginnt Veränderung deshalb nicht mit der Frage, ob jeder Einzelne von uns Ver-Antwortung hat.

Vielleicht beginnt sie mit der Frage, wie wir diese Verantwortung gestalten.

Für uns.

Für andere.

Und für das Leben, das wir gemeinsam leben auch wenn wir alle isoliert sind.

Denn Verantwortung bedeutet nicht nur eine Antwort zu haben.

Verantwortung bedeutet auch, sich auf die Suche nach einer Antwort zu machen.

Und diese Suche beginnt vielleicht mit einer ganz einfachen Frage:

Wie?



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