# Generationskonflikt

 

      Wir

 

Wir sind die Kinder des Nichts. Ungeschützt und unerhört, wandern wir im Spiegelkabinett falscher Versprechungen. Aus dem Nichts kommen wir, zu Erde werden wir. Wir wissen worum Generationen betrogen wurden. Es ist ihr wahres Selbst und die größten Schätze: Die innere Wahrheit eines Jeden und das Wissen um unsere Herkunft. Lügen wurden wiederholt bis wir Zeugen wurden wie unsere Mütter und unsere Väter sich selbst verloren und wir  wurden vergessen von unseres Gleichen

Niemand hat uns einen Baum gepflanzt, dafür tragen wir die Früchte der Trauer.  Im Chaos der Geschichte wurden wir zurückgelassen, in fremder Verzweiflung gehen wir trotzdem unseren Weg.  Überlassen wurden wir den Institutionen, auf sozialen Plattformen sollen wir Gemeinschaft finden. Wir sind viele, aber kennen uns nicht und doch führt ein unsichtbares Wesen uns zueinander.

Wir sind die Kinder des Neuem. Wir stehen an der Schwelle des Unbekannten, die Würfel sind gefallen, die Entscheidungen getroffen. Wir erkennen nichts wieder und sind auf uns gestellt. In eure Welt gehören wir nicht, deshalb müssen wir gehen. Unsere Vorfahren begleiten uns treu in das Land innerer Freiheit

 

# Das Korsett der Dualität


Rache, Strafe und der Verzicht auf Vergeltung sind keine reinen Gegenpole. Sie sind vielmehr zwei Seiten derselben Medaille. Beide reagieren auf ein moralisches oder ethisches Ungleichgewicht, das durch erfahrenes Unrecht entstanden ist. Während Vergeltung den Ausgleich im Außen sucht – durch Bestrafung –, versucht Vergebung ihn im Inneren zu finden – durch den bewussten Verzicht auf Rache.

Doch dieses dualistische Modell greift zu kurz. Es hält uns in einer endlosen Dynamik gefangen und wird der Komplexität menschlicher Wirklichkeit nur bedingt gerecht. Wir haben uns ein gedankliches Korsett geschaffen.

Zunächst stand die archaische Vergeltung: das Prinzip „Auge um Auge“, das Gewalt begrenzen und in geregelte Rechtsräume überführen sollte. Später rückte mit dem Christentum die Vergebung in den Mittelpunkt. Moderne humanistische und psychologische Ansätze verstehen Verzeihen zunehmend als einen inneren Prozess der Befreiung. Doch unabhängig davon, welchen Weg wir wählen, bleibt unser Blick häufig auf den gerichtet, der uns verletzt hat. Wir bleiben mit der Tat verbunden. Wer vergilt oder vergibt, verhandelt noch immer mit dem Zerstörerischen – mit dem Zerstörer ebenso wie mit dem Zerstörten.

Wie also lässt sich der Bann der Medusa brechen?

Vielleicht gerade dadurch, dass wir den Blick abwenden. Nicht aus Verdrängung oder Gleichgültigkeit, sondern aus der Entscheidung heraus, unsere Aufmerksamkeit auf das Leben selbst zu richten. In aller Konsequenz auf jene innere Wahrheit, die das Korsett der Dualität abgestreift hat.

Die Natur kennt dafür ein anderes Bild. Sie sucht keinen Ausgleich durch Vergeltung und verlangt keine Vergebung. Sie folgt den Kreisläufen des Lebens. Ein Baum, den der Blitz trifft, rächt sich nicht. Er wächst weiter, soweit es ihm möglich ist. Stirbt er, wird sein Holz zum Nährboden für neues Leben. Aus Zerstörung entsteht Wandlung, nicht Vergeltung.

Vielleicht liegt darin eine tiefere Form des Ausgleichs. Nicht jede Wunde muss beantwortet werden, und nicht jede Verletzung verlangt nach einem moralischen Gegengewicht. Manches heilt erst dann, wenn wir aufhören, uns ausschließlich über das Unrecht zu definieren, und beginnen, unsere Kraft wieder dem Leben zuzuwenden.

Den Bann der Medusa zu brechen bedeutet dann nicht, zu vergessen. Es bedeutet, dem Zerstörer nicht länger die Macht zu überlassen, unseren inneren Blick zu bestimmen.

# Die Maschine und das Ende der Verantwortung

 

Was gut wäre: Wenn wir Menschen uns endlich umfassend mit dem auseinandersetzen würden, was wir zerstören und was bereits zerstört ist. Es wäre gut, wenn wir aufhörten, Technik wie einen neuen Gott zu verehren, und stattdessen begreifen würden, welche enormen Ressourcen die Herstellung von Elektroautomobilen, Smartphones und anderen Errungenschaften der postmodernen Technik verbraucht. Technischer Fortschritt ist nicht frei von ökologischen und sozialen Kosten – auch dann nicht, wenn er als Lösung für bestehende Probleme präsentiert wird.

Ebenso wäre es wichtig zu erkennen, dass patriarchale Denk- und Handlungsmuster nicht ausschließlich von Männern getragen werden. Männer wie Frauen können patriarchale Vorstellungen verinnerlicht haben, weil sie in gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen sozialisiert wurden. Das Patriarchat – oder genauer: der patriarchale Kapitalismus – ist nicht lediglich ein System traditioneller Rollenbilder. Es beschreibt ein Herrschaftsprinzip, das wirtschaftliche, politische, kulturelle und soziale Strukturen durchdringt und auf Hierarchie, Kontrolle und Verwertung beruht.

Dabei geht es nicht darum zu behaupten, Frauen strebten nach einer Umkehr der Machtverhältnisse oder gar nach Weltherrschaft. Vielmehr zielt die feministische Kritik häufig auf eine egalitäre Gesellschaft, die von Kooperation, gegenseitigem Respekt und Verantwortung gegenüber den Mitmenschen, der Natur und der Erde geprägt ist.

Aus dieser Perspektive beruht das Patriarchat auf einem Verhältnis der Beherrschung und Ausbeutung – nicht nur gegenüber Menschen, sondern auch gegenüber der Natur. Dieses Prinzip prägt Wirtschaft, Religion, Politik und unser Zusammenleben bis heute.

Die gegenwärtige Herausforderung besteht daher nicht allein im Menschen selbst, sondern zunehmend auch in den von ihm geschaffenen Maschinen und technischen Systemen. Je mehr sie Entscheidungen, Arbeitsprozesse und gesellschaftliche Abläufe übernehmen, desto dringlicher wird die Frage, wie viel Verantwortung wir an sie abgeben wollen und welche Folgen dies für unsere Freiheit, unsere Beziehungen und unser Verhältnis zur Natur hat.

# ein Gefühl im Sommer

 

 

 

Beim Zuhören,was die anderen Leute sagen, fällt mir eines besonders auf. Mir fällt etwas über mich selbst auf: Ich höre mir selbst zu und gehe den Empfindungen nach, die in mir auftauchen. Und ich entdecke immer wieder – wenn so etwas überhaupt geht –, dass da ein Gefühl ist, das ich am besten kenne: Es ist das Gefühl, in der falschen Welt zu sein. Es ist das Älteste an mir. Niemand sieht mir diese Empfindung, dieses Gefühl, meine conditio humana, an. Es ist das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt, mit der Welt etwas nicht in Ordnung ist. Sie macht sogar unsere Natur kaputt – unsere äußere wie auch unsere innere. Ich komme aus einer Welt der Gemeinschaft, der Egalität und der Kooperation. Was ich vorfand und weiterhin vorfinde, sind Orte, an denen Hass, Gewalt und Niedertracht vorherrschenund das wird zivilisiert genannt. Wer zivilisiert ist, ist isoliert. Das Bindeglied, das Operationsmittel, ist das Geld. 

Es macht mich froh, dass ich meine Heimat, die nicht in dieser Welt ist, erinnere.  

 


  

# notiz

 

 

 


 

3. August 2026

Es ist Sommerzeit

Die Welt geht unter im Streit

Es bleibt keine Zeit

 

# sommerpoem

 
 
 


Leiser Sommer

Es ist ein leiser Sommer.

Aus der Ferne summt mir eine Stimme eine Melodie.

Ich gehe durch einen schattigen Klostergang, einem unerhörten Lied entgegen.

Zwischen den Steinen lese ich Spuren. Seitdem begleitet mich das Lied.