# Allgemeinplätze

 




Denken in Allgemeinplätzen ist gefährlich. Warum? Allgemeinplätze schliessen jegliche Einzigartigkeit aus. Etwas ausschliessen ist lebensfern. Jemanden ausschliessen ist brutal. Allgemeinplätze à la 'das ist eben so' oder 'man macht das so' oder 'wir machen das immer' frieren Gedanken und Gefühle ein. Und wenn unsere Gedanken und Gefühle einfrieren, erstarren wir innerlich bis das Leben, das eingesperrt wurde nach Freiheit drängt. Eingefrorene Gefühle suchen ihren Ausdruck in Verspannungen, in Gedankenmustern, die um sich selbst kreisen. Gedanken, die nicht gedacht werden, weil sie nicht gedacht werden dürfen, führen in Einbahnstrassen, es werden lose Gedanken, die sich nicht verknüpfen lassen, weil das eigene Gebäude zum Minenfeld geworden ist und die geistigen Fähigkeiten und Kapazitäten sprengt. 

wenn wir die Einzigartigkeit des Seins, was unser Leben ist, und was Leben ist auf Allgemeinplätzen ausbreiten und im Lichte der Öffentlichkeit verbrennen lassen, haben wir eine unserer Aufgaben hier auf der Erde missachtet: Wir sind hier um das Leben und unsere Einzigartigkeit zu schützen. Wr verletzen uns und unseren Raum, wenn wir dieser Aufgabe nicht nachgehen






# tun und sein

 




unser Leben ist bestimmt vom rhythmischer Wechsel zwischen sein, tun und sein lassen, wieder aufnehmen, verknüpfen, ruhen, beobachten, und wieder sein. Wir sind aktiv und inaktiv, wir gehen voran und blicken zurück, wir bewegen uns in Kreisen und im Rhythmus der Jahreszeiten, der Wald kennt drei Jahreszeiten, das Wirtschaftswesen der Römer, vier, mit geraden Zahlen lässt sich leichter rechnen, alles ist berechenbar? 

Wir können durch den Rückblick bis heute Prognosen über das Morgen herleiten, aber wer will das schon? Die meisten lassen das sein, sie lassen Vergangenheit vergangen sein und stürzen sich mit großem Aktionismus ins Tun, im Tun sammeln wir Karma. Karma ist Sanskrit und bedeutet Aktion, Tun. Wir tun jeder etwas anderes in unserem Sein, je mehr Karma um so weniger Sein, im Sein geht es einzig und allein um das Tun ohne Ziel und ohne Hinblick auf das Ergebnis, das ist bedingungsloses Sein um Raum

# Ich bin

 




in der Ferne des Raumes wie der Zeit zu Hause, wie Walter Benjamin über Leeskow schreibt. Ich überblicke große historische Zeiträume und begreife damit meine Gegenwart. Bei Betrachtungen der Vergangenheit, ergeben sich Prognosen über das Jetzt, unsere Gegenwart, ich bin ja nicht allein und nicht im luftleeren Raum, und über die Zukunft, wobei aufgrund des Tuns der Leute in der Vergangenheit, die äußere Realität der Zukunft räumlich und gegenständlich betrachtet schon relativ festgelegt ist. Paradox oder? Wer zurückschaut, begreift das Heute. Ich schaue seitdem ich denken kann, und ich konnte bereits mit 3 Jahren denken zurück, es ist ein zurückblickendes Wahrnehmen mit allen Sinnen, ich habe das erst mit einem Tag ausprobiert, dann mit Wochen, Monaten, Jahren, Jahrzehnten und als ich Geschichts- und Kunstbücher studierte, Jahrhunderte und Jahrtausende und seitdem ich in den Träumen fliegen kann, bin ich in der Zeit zu Hause, nicht im Raum.

Wann bist du das letzte Mal im Traum geflogen?







# wir

 






Wir leben in einem lebendigen Kosmos. Unsere Erde ist unsere lebendige Bibliothek und die Bibliothek allen Lebens. Der Kosmos und die Erde sind unsere Lebensraum. Wir sind wie alles ist. Die Anziehungskraft komplementärer Elemente nennt sich Liebe. Es gibt keine Gegensätze. Denken in Gegensätzen gehört zur verbalen Logik des Kollektiv-Ego, das uns glauben machen will, es gebe in der Natur Hierarchien - survival of the fittest - aber wenn nur die Stärksten überleben, wieso gibt es dann Schmetterlinge, Rotkehlchen und Gänseblümchen? Der Kosmos nährt uns, nicht das Gift leerer Gedanken und Massennahrung. Liebe und Bewusstsein sind die Geschenke des Kosmos an sich selbst. 

Bewusstsein kommt von Wissen






# Tatort Erde

 





Mein Nachbar erzählt mir, er habe als er irgendwann Mal am offenen Dachgeschoßfenster stand, Weltraumschrott vorbeifliegen gesehen. Ob ich das auch gesehen habe, es stand auch in der Zeitung ... ? Nein, habe ich nicht, aber ich habe allen möglichen anderen Schrott gesehen. Schrott, den keiner wegräumt, Schrott, der auf Kosten anderer und anderem produziert wird und nach Ablaufzeit keinen mehr interessiert, Schrott, der herumliegt auch im Wald, sogar in den Bergen, Leute reden auch viel Schrott... naja, nun denn... und das ganze Metall, was in den Weltraum geschossen wird und wieder zur Erde fällt, Erdanziehung, guten Morgen. Mein Nachbar und ich stehen am geöffneten Fenster, jeder vor seinem eigenen und rauchen, also ich paffe, ich mag Rauchschwaden im Mund, rauchen reinigt die Rede, besagt ein französisches Sprichwort, und Rauchzeichen machen, irgendjemand in der Ferne sieht sie, ganz sicher, paffen ist mein Gebet mit Tabak, und schauen über die roten Ziegeldächern der Stadt. Mein Nachbar erzählt davon was er nicht alles machen könnte. Ich sage: einfach machen, er sagt: aber ich bin die Muse... während wir da stehen hören wir Sirenen. Das zweitgrößte Krankenhaus der Stadt ist in relativer Nähe, hinter dem Park, Menschen verletzen sich so schnell, Menschen sind sehr verletzlich, ich habe den Eindruck, dass sie das vergessen haben, ich habe auch den Eindruck, dass sie sich selbst vergessen haben, das kann schon Mal vorkommen, bei all dem was man tun soll, wie man sein soll, weil man es machen soll wie es alle machen, nur keiner weiß wirklich wie das geht... und ich frage mich ob man etwas vergessen kann, was man noch nicht wusste?, ich stelle mir auch vor, dass der ganze Weltraumschrott uns auf die Köpfe fällt, und ich wollte zu keinem Zeitpunkt, dass die Himmel zerschnitten werden mit Flugzeugen und Satelliten und Drohnen, und ich will nicht, dass das Wesen auf dem ich gehe, was mich trägt, vergiftet wird und malträtiert wird wie meine Brüder und Schwestern, ich will das das aufhört, ich will, dass wir zur Besinnung kommen heute, heute ist ein guter Tag, heute ist Sonntag und ich schreibe und ich denke und ich reise in Gedanken...







# wo wir sind




... zwischen Krisen, Kisten und Kataklysmen


Wenn wir nicht wissen wo wir stehen, also wo wir sind, dann wissen wir nicht was zu tun ist. Wir können auch sagen, dass sobald wir wissen wo wir sind wir mehr darüber herausfinden wer wir sind, wenn wir das herausfinden, können wir Schritte in unserer Gegenwart tun, die uns zu jemand bringen oder an einen Ort, der uns gut tut oder ins Handeln. 

Erst wenn ich sagen kann wo ich stehe, wenn ich es genau definieren kann, dann kann ich sagen wie ich in das Wo gekommen bin, das ist die erste Aussage, die wahr ist, weil es die Wahrheit des Ortes gibt und die Wahrheit meines Standpunktes; das ist nicht verhandelbar. Wer weiß wo er steht, findet heraus wer er ist. Ich bin ein Mensch in einer Stadt mit 210.000 Einwohnern, mitten in Westeuropa; ich bin in einem falschen Leben, aber ich ich bin hier und ich bin da, ich versuche in diesem falschen Leben rechtes zu tun, ich lebe richtig, ich bin am falschen Ort, weil mich hier jemand brauchte, und heute brauche ich mich um an den richtigen Ort zu gelangen. 

Es gibt kein richtiges im falschen Leben, schreibt Adorno; aber in diesem falschem Leben kann ich das Richtige tun. Adorno sagt auch: Geliebt wirst du da, wo schwach du dich zeigen kannst ohne Stärke zu provozieren






# Fülle und Leere





sind komplementäre Zustände wie der Ton, der die Stille braucht um aus ihr zu sein. Jedes einzelne Element in unserem Leben ergänzt ein anderes, auch wenn es uns an der Oberfläche isoliert erscheint. Nichts ist getrennt voneinander, auch wir nicht von der Natur. In unserem Hierarchiebewusstsein, was uns die Kultur unserer Gesellschaft vermittelt sehen wir uns und alles um uns in getrennten Einheiten. Was das mit uns macht? Es ist einfach: Es trennt uns. Dabei sind wir mitten drin. Wir sind inmitten von Ereignissen, die uns übersteigen, überfordern, die unintegrierbar erscheinen, weil wir keinen Zusammenhang sehen können, weil wir auf Trennungen geeicht sind, und die Ereignisse isoliert sehen. Doch was wenn alles miteinander zusammenhängt? Was wenn, das was du denkst Konsequenzen hat? Was, wenn die Handlungen von gestern, sich im Heute äußern? Haben wir ein zusammenhängendes Verständnis für uns selbst und das Leben, in dem wir sind und das auch ohne uns auskommt?