# Affairs


Between days

she’d been so responsive

he thought she was easy prey

now there was this thicket of

old days

tired months

lost years between them

neither of them felt like passing through

getting entangled in the pains

of previous years

like thorns 

bristles

barbed hooks and memories

sticking in little puddles on the kitchen table

and on the sleeves

# Zeichen

Der Mann sitzt am Ufer des Flusses in der Stadt. Es ist das Ende eines warmen Tages im Juli. Im Flusslauf verliert sich der Blick nach wenigen Metern im grünen Irgendwo des bewachsenen Ufers. Je länger er mit seinem geistigen Auge dem Verlauf des Wassers folgt, umso mehr wähnt er sich an einem anderen Ort. Er schaut zur Brücke gegenüber.  Der Abendhimmel ist bedeckt.  Die vorübergehenden Passanaten auf der Brücke sehen  ihn nicht. Er sieht niemand, den er kennen könnte. Die Dämmerung hat eingesetzt und er sitzt im Schatten. Blaue Stunde, in diesem Zwischenraum, wo die Dämmerung zur Nacht wird, wo die Umrisse verschwimmen und der Tag seine Schärfe aufgibt, kann er tief durchatmen. Neben ihm liegt sein Telefon und ein rotes Feuerzeug auf einer Packung American Spirit. Er hört Schritte, die die Steintreppe zum Ufer hinuntergehen. Als er seine Zigarette anzündet, sieht er sie um die Ecke kommen. Ihre Blicke treffen sich für eine Sekunde. Er hatte sie einge Male in dem Café gesehen, dass er seit Anfang des Jahres allein aufsucht. Es gab Veränderungen in seinem Leben, die bitter schmeckten. Es war in der Stadt in den letzten drei Monaten nicht nur für ihn schwierig geworden, die Leute teilten sich in zwei Lager und es war als hätte ein unsichtbarer Herrschergott der Welt eine Zwangsjacke angezogen. Er glaubte aber nicht an Gott und vertreibt die Gedanken schnell aus seinem Kopf und schaut sie an. 


Die Frau setzt sich neben ihn ans Ufer auf den warmen Stein.  Sie sitzen nebeneinander, aber nicht so nah zusammen, dass sie sich berühren könnten, auch nicht zufällig. Sie betrachtet die schwarz glänzende Wasseroberfläche. „Das ist ein schöner Ort. Ich war hier noch nie.  Komisch.“ Sie lächelt und ihre Stimme ist warm und strahlend. Sie schaut ihn nicht an. Er betrachtet ihre Hände. Es stört sie nicht, dass er sie beobachtet. Sie trägt einen schmalen Goldring und eine Seidenbluse, die schimmert wie die Wasseroberfläche. Sie sitzen eine Weile schweigend. „Wo kommst du her?“, unterbricht er die Stille ohne eine Antwort zu erwarten. Doch verspürt er große Lust etwas über sie zu erfahren. Sie schaut zu ihm. „Es ist schön hier einfach mit dir zu sitzen.“ Ihr Blick folgt dem Flusslauf wie seiner vor einer halben Stunde. „Ich bin hier geboren, aber heimisch bin ich woanders. Ich bin an meinem Geburtsort im Exil.“ Dabei lächelt sie dieses Lächeln, was ihm schon im Café aufgefallen war. Es ist ein Lächeln, was ihn vergessen lässt, wo er ist. 


„Eigentlich sollte ich gar nicht hier in der Stadt sein. Ist dir aufgefallen, dass der Fluss weniger Wasser führt?“ Er überlegt kurz um sich zu besinnen. „Warum bist du dann hier?“ Sie denkt nach. „Nennen wir es einen Unfall. Und menschliches Versagen. Es gibt Momente im Leben wie ein Punkt, auf den sich alles hinbewegt und man selbst darauf zu und dann ist da Stillstand und ein Resultat...“ Er schaut sie lange an und versucht zu begreifen was das meint. Irgendwie sagt ihm das was: „Ich habe in den letzten Monaten oft hier gesessen und mir überlegt in der Richtung ist die Zukunft und auf der anderen Seite ist die Vergangenheit.“


14 Tage später.

Er wird das Gefühl nicht los ihr schon mal begegnet zu sein, was seltsam ist, sie haben keine gemeinsamen Bekannten und sie schien länger nicht in der Stadt gewsen zu sein. Als er in die Gasse einbogen ist, sieht er sie rauchend auf dem Brunnenrand sitzen. Das Bild hat er schon mal irgendwo gesehen oder geträumt. Er wüsste nicht wo sie sich begegnet sein könnten, aber er fühlt diese Vertrautheit in ihrer Gegenwart. Und da war noch etwas: Ihre Textnachrichten waren immer genau Doppelzahlen 23:23 und 19:19 und 01:01. Das war kein Zufall, das war ein Muster, und er kapierte es nicht, verschwieg ihr aber seine Beobachtung.


Er hat kein eindeutiges Gefühl. Die Frau geht als sei jeder Schritt ein Ziel. Langsam und unbeschwert bewegt sie sich im Rhythmus einer unerhörten Melodie. Die Lebendigkeit ihres Ausdrucks trifft ihn wie eine Messerklinge. Es gibt Fragen, die sie ihm nicht beantwortet. Also ist er zurückgeworfen auf das Erleben mit ihr.

Aber zu viel geht in ihm vor und in der Welt, die aus den Fugen gerät, keiner weiß mehr und den Leuten geht die Bühne verloren. Was bleibt ist der Rückwartsgang ins Private, das einer mit Nippes vollgeräumten Wohnung gleicht. Da ist so viel was er nicht bestimmen kann. Die Frau entzieht sich vor seinen Augen. Vielleicht hat das nichts mit ihr zu tun. Es ist ungewohnt mit jemand zu sein, der in seiner Gegenwärtigkeit nichts Preis gibt. 

Er ist lange niemand begegnet, vielleicht auch nie, der nichts von ihm fordert. 


Eine Erinnerungswelle holt ihn ein. Er erinnert sich mit ihr. Was damit tun? Seine Vorstellung von Wirklichkeit und ihm als Individuum ist eine kurzlebige Fiktion. Etwas stünde zwischen ihm und ihr, zwischen ihm und seinem eigenen Leben. 

Er will sie wiedersehen. Die nächtlichen Begegnungen beruhigen ihn. Er weiss nicht wieso. Es könnte die eine Berührung ihrer Hand gewesen sein. Mehr nicht. 


Einige Tage später, außerhalb der Stadt.

Die anliegender Felder verströmen einen Geruch nach feuchter Erde. Der Garten ist verwildert, die Hecken überwuchern den Weg. Sie sitzt still auf der Holzbank vor der Laube während der Mann innen Kerzen anzündet. Kühler Wind streift durch das hohe Gras. Sie würde einfach da sitzen. Einfach so, als hätte sie nie etwas anderes vorgehabt. Wer ist sie? Wer ist er? Wer trägt die Verantwortung für ihre Anwesenheit?

Sie sagt: Ich kenne die Dunkelheit in mir. Ich akzeptiere sie in anderen.

Er sagst: Du bist mir fremd und vertraut wie ein verlorene Schwester. Wann haben wir uns aus den Augen verloren?

Sie spricht: Das ist lange her. Die, deren Namen wir nicht kennen, wollen uns glauben machen, wir seien niemand, weil wir keinen Besitz anstreben.

Er antwortet: Ich fühle diese Indifferenz, die mich von innen zerfrisst..

Sie sagt: Du bist lange nicht berührt worden. Wir verlieren uns so schnell in einer Fiktion von uns selbst.

Er sagt: Warum sind wir hier? Warum bist du hier?

Sie sagt: Ich muss mich erholen vor meiner Heimreise.

Er will ihre Stimme hören. Er will, dass sie weiterspricht. Es ist egal, was sie sagt. Klänge sollen ihren Körper verlassen. Ihre Augen ergründen den Raum, sie schaut ihn an und sagt:

Wir wollten irgendwann einmal dasselbe. Uns trennt heute die Auffassung, von dem was wir sein sollen, tun sollen, wie wir leben sollen

Er fragt warum sie bleibt.

Sie sagt: Wir wollen zusammen eine Erfahrung machen, die nur uns gehört.

Er hört sich  sagen: Was willst du mit mir?

Sie sagt: Dir vertrauen lernen und leise sein. 

Er streckt ihr seine Hand entgegen. Sie würde sie nehmen.


3 Wochen später, vor dem Bistro, gegen 23.00.

Der Mann sitzt auf einer Bank vor der Kirche in der Altstadt und beobachtet sie von Weitem. Sie kann ihn nicht sehen. Sie sitzt vor dem Bistro und blättert in einem Buch. Ihr Schweigsamkeit ist tiefer als jede ihm bekannte Stille, ihr Schmerz ist tiefer als seine Gleichgültigkeit, weil sie hat gehen lassen, was er nicht kann, in keiner Zeit, die ihm vorausgeht, in keinem Zeitalter, was folgen wird. Die Bedeutung ihrer Worte ist heller als der Tag, an dem er erwacht sein wird. Sie würde gehen können, weil nichts ihr gehört, weil ihr Begehren stärker ist als Erinnerung; stark wie Bäume, die mit ihren Kronen länger über allem wachen als jemand den Abgrund zu Lebzeiten zwischen Realität und Wirklichkeit überwinden will. Sie wäre in ihrem Körper gegenwärtig wie der Tod, weil sie Erfahrung hat im Verzicht. Sie wäre stark, weil sie die Illusionen nicht mehr kennt. Sie hätte alle Lügen gehört, diesen süße Gesang, auch die Lügen, die uns die Vergangenheit erzählt und diejenigen, die sich jeder selbst erzählt, um sein Tun zu vertuschen. 

Es wäre leicht mit ihr. Der Mann verliert sich in ihrem Körper wie in einer Landschaft. Sein Wille wäre keine Kategorie mehr. Er hält sie fest. Die fließende Form ihres Körpers ist derart perfekt, dass es ihn innerlich zerreißt. Er will schreien. Doch sein Schmerz ist alt, zu müde sich zu äußern. Er ist ihr nah und bleibt dennoch getrennt von ihr, weil ein anderes Ziel seine Gegenwart beherrscht. Es würde regnen.


Es regnet seit Stunden. Der Regen prasselt auf das Fensterbrett.  Im Schwarz der Straße sieht er vereinzelt gelbe Rechtecke. Ein Lufthauch bewegt die hellen Vorhänge. Stimmen dringen zu ihm. Er steht am geöffneten Fenster und raucht. Verzerrte Klänge eines Gesprächs sind in seinem Kopf, während er den wie aus einem Guß geformten Körper betrachtet. Sie liegt auf dem Bett und schläft. So wie sie da liegt, ist sie ohne Vergangenheit und ohne Zukunft. Er will sie und als würde sein Gedanke sie erreichen, hebt sie ihre Lider, sonst ist ihr Körper reglos. Langsam öffnet sich ihr Mund. 

Sie sagt wie zu sich selbst: Wovor fliehst du? Weisst du das?

Er sagt: Manchmal denke ich, dass ich verrückt werde... denkst du, dass ich verrückt bin?

Die Liegende fällt zurück in das gesichtslose Schweigen. Das Fremde an ihr ist das Fremde in ihm. 


Wenn er etwas weiss, dann das, was er von sich selbst weiss. Dafür muss er an die äußerste Grenze seiner Identität gehen. Die Lügen zwischen ihm und der Frau, hätten kein Ende gefunden, da noch kein Ende gefunden ist. Wie bei den Vorfahren, würde das Unausgesprochene als Drohung zwischen ihm und ihr stehen. Weil zwischen Gesagtem und Handeln ein Abgrund ist wie die Kluft zwischen Wirklichkeit und Vorstellung. Sie wüsste um den Mangel, den Riss in der Realität, die Schwäche im Menschen, den Zustand, der sich aus dem Unerhörten ergibt, eine Schlucht zwischen dem, was ist und dem, was sein könnte und schwer sein kann, weil Dogmen die Natur allen Seins beherrschen.

Die Frau sitzt im Sessel am Fenster. Einzig die Glut ihrer Zigartte erhellt ihr Gesicht, wenn sie einen lange Zug nimmt. Die Straße ist ruhig seitdem das Leben angehalten wurde. Vereinzelt fahren Autos vorbei, Schritte sind zu hören, deren Echo die Dunkelheit durchdringt. Menschen durchmessen die Nacht. Manche leben wie der Witterung unterlegene Gewächse, denkt der Mann, sie wachsen im Schatten ihrer Vergangenheit. Erinnerungen nisten sich im Körper ein und bilden einen Belag, der von der Welt trennt. Menschen werden nicht mehr los, was sie mal ausgemacht hat, Erfahrungen sind wie in die Haut tätowiert, unerfüllte Wünsche, die mal Zukunft waren lauern in Ecken und in Schubladen oder im Handschuhfach. Tage zwingen sich ineinander. Stunden überlagern sich. Das eigene Leben findet keinen Ausweg. Es gäbe keinen Grund, aus dem er mit ihr Zeit verbringt. Wo kein Ziel ist, ist kein Grund, sagt seine Logik. Und doch hat es einen Sinn, dass er mit ihr in diesem Raum ist, sie anschaut, bei ihr liegt. 

Wie sie durch Räume geht, lässt ihn an ein Tier denken. Ihm fällt nicht ein welches. Die Bewegungen ihres Körpers lassen ihn nicht los. Der Boden existiert nicht für sie. Sie schwebt. Eine bekannte Lust steigt in ihm auf, und tränkt die Tiefen seiner Eingeweide. Der Mann und die Frau finden sich im Begehren füreinander und in der Lust zu leben.

Er geht auf sie zu, nimmt sie an den Schultern und führt sie durch den Raum. Er stellt sie vor den Spiegel. Er streckt ihren Kopf in den Nacken. Sie lässt es geschehen. Er sieht die pulsierende Ader am Hals, ihre Schultern, ihre halbgeschlossenen Augen. Ihr Mund ist geöffnet. Sie könnte lächeln. Er betrachtet ihren Körper, der sich mit seinem eigenen Bild vermischt. Ihre Formen kleben am Glas. Er schaut sich im Spiegelbild an. Ihr Blick kreuzt seinen. 

Er sieht wie sich sein Gesicht verzerrt. Zwischen ihm und dem Spiegelglas ist unermessliche Hitze. Sie würde sich nicht rühren. Er ist fassungslos gegenüber dieser gebogenen Ruhe. Nebel legt sich über das Bild. Wieder und wieder tut er es bis ein Laut ihn verlässt. Er schreit in die Nacht. Er ist allein. Er liebt. Und er ist mit ihr. 


Sie geht zu dem Holztisch am anderen Ende des Zimmers und zündet die Kerzen an. Die Schatten der Gegenstände tanzen mit ihr und ihr Schatten tanzt mit ihm. Er hört das Klingeln eines Telefons. Sie geht zum Sessel, nimmt das Telefon aus der Tasche, nimmt an, und geht zum Fenster. Nach einigen Sekunden legt sie auf ohne eine Wort gesagt zu haben. „Wer war das? Musst du gehen?“. „Nein, noch nicht, nicht heute.“

Sie würde sich kennen, sie kennt sich. Sie hätte die Nächte durchwacht, die dazu nötig sind. Die Nacht hat ihre Wahrheit, ihr persönliche Klarheit, da sie zerfällt im Angesicht des Tageslichts. 


Ein Abgrund tut sich auf, in dem sie zu liegen scheint. Sie liegt in diesem Abgrund, weil sie ihre Wahrheit hat. Eine Wahrheit, die er ignorieren würde, die er ignoriert. Zeit bedeutet ihr nichts. Denn sie kennt die Zeit, die vergeht und Zeit, die still steht. Jeder ist begrenzt in der Umrandung seiner Haut. Die Haut umhüllt das Sein. 

Sie umhüllt ihn ganz. Ihr Körper würde ruhig atmen. Sie wäre wach. Er spürt ihren Atem, der sein Rhythmus wird. 

Sie fragt: Was siehst du?

Er sagt: Ein Feuer

Sie fragt: Was hörst du?

Er sagt: Eine Melodie

Sie spricht weiter: Willst du die Stadt verlassen?

Er sagt: Warum fragst du?

Sie sagt, aber nicht mehr zu ihm: Wir müssen in die Berge gehen, bevor es zu spät ist.


Er sagt: Du kommst in meine Träume. Wie machst du das?

Sie sagt: Ich gehöre in deine Nacht. Ich bin wie Alles ist. Immer dann, wenn ich aufgab, schenkte sich mir die Welt. Da ist keine Logik, aber ein Gesetz, dem alles unterliegt, dem ich unterliege wie mit dir und du mit dem Leben. 

Darauf weiß er nichts zu sagen. Er hat vergessen worauf es ankommt. Sie legt sich auf das Sofa.

Ihr Blick trifft seinen. 


Das nächtliche Gewitter bricht seinen Gedanken. Es rauscht als sei es die Brandung eines Meeres. Eine Melodie dringt zu ihm. Er verharrt mit ihr in diesem Moment und schläft neben ihr ein. Er teilt ihren Schlaf bis ein Traum ihn ins Erwachen reißt. Tränen rinnen über sein Gesicht. Er würde weinen, stumm in der Mitte der Nacht. Er öffnet die Augen. Sie trocknet seine Tränen mit ihren Fingerspitzen. 

Sie schaut ihm in die Augen und sagt: Ich träume dich, und du träumst mich.

Wann wachen wir auf? fragt er.

Sie sagt: Ich will mich noch etwas ausruhen mit dir.

Er fragt: Ich weiß endlich an wen du mich erinnerst... an einen Vogel der Nacht, der in den Himmeln tanzt.

Sie antwortet: Das gefällt mir.

Er sagt: Ich werde bald sehr lange von dir getrennt sein.

Sie antwortet: Dann sind wir wieder zwei singende Einsamkeiten, die sich in einem Traum vereinen.

# Telegramm

Elektromagnetische Frequenz ist mit Sound kodiert // We are living in the crash of beliefs // we are like the dreamer // Pflanzen bei  Neumond pflanzen // full moon you harvest // Gefühlte und habituell kulturelle Verpflichtungen machen einen erheblichen Teil jener Gründe aus, aus denen Menschen nicht tun, was sie wissen könnten // In any area in wich you live you are going to be influenced by the beliefs around you // Create beauty around you // When you follow your feelings you find out what your beliefs are // Zeit ist ein Konzept // Everthing  responds to energy // Transgender agenda bedeutet Zerstörung von Mutter Erde und matriarchalem Wissen // If your perception changes, so your beliefs changes // der Wille sitzt im Nacken // I want to know! = Meditation vor dem Schlaf // we are dreamin‘ and live then inside the dream // but who is the dreamer ? // Jeder Entscheidung geht eine Wahrnehmung voraus – aus einer sozialpsychologischen Experimenten ist bekannt, dass nur eine äußerst geringe Menge aller Informationen, die eine Situation bereithält überhaupt wahrgenommen und ausgewertet werden das kann aber trainiert werden, und dem geht genaues beobachten der Umgebung voraus // wenn es um das eigene Überleben geht (in der westlichen Welt), spielen kulturelle, soziale, emotionale und symbolische Faktoren oft eine größere Rolle als der Selbsterhaltungstrieb // In Fragen der kulturellen Verpflichtung und des Habitus hat man es meist nicht mit Dingen zu tun, die der Reflexion und damit der Entscheidung zugänglich sind, im Gegenteil  es ist gewissermaßen die Lebensform selbst, die es ausschließt, dass bestimmte Dinge gesehen oder schädliche Gewohnheiten und dysfunktionale Strategien geändert werden können was aus der Außenperspektive völlig irrational erscheint, ist aus der Binnensicht der Akteure von höchster, weil selbstverständlicher Qualität // Gefahren für einzigartige Systeme: Korallenriffe, Tier- und Pflanzenarten, seltene besonders artenreiche Lebensräume, Inselstaaten, tropische Gletscher oder indigene Bevölkerungsgruppen nehmen erheblich Schaden oder werden unumkehrbar zerstört: Aborigines in Australien, Indianer in Alaska, Amazonas für Amazon-Bücher, Urwald in Papua Neuguenia (1000 Jahre alte Bäume werden benutzt für Speerholzmöbel, und Bodenparkett) abgeholzte Regionen werden mit Palmen aufgeforstet: für Palmöl, Öl, Schokolade etc.), die Erde trocknet aus // Kaffee- und Avocadopflanzen verbrauchen zum Wachstum viel Wasser // extreme Wetterereignisse: Häufigkeit, Stärke, Folgeschäden von extremen Wetterereignissen wie Hitzewellen, Überschwemmungen, Dürren oder tropische Wirbelstürme weathermodification.com, HAARP Technik, chemtrailing // ungleiche Verteilung der Auswirkung: die ärmsten Länder, die am wenigsten zu den Missständen beitragen, sind am meisten betroffen ohne sich schützen zu können // Anthropogene Antriebsfaktoren: Nutzung fossiler Brennstoffe, veränderte Landnutzung, Entwaldung, Abbau von Biomasse // Artensterben in beispielloser Größe// Meere radikal überfischt / Regenwälder überrodet // das Handeln westlich geprägter Menschen geleitet als handele es sich um reversible Prozesse // ein Jahrhundert umfasst 3-4 Generationen = Zeitspanne, die Menschen in der westlichen Welt normalerweise in Aussicht nehmen, wenn sie darüber nachdenken, was sie hinterlassen wollen dieses Zeitbewusstsein hat sich im 13./14. Jahrhundert mit dem Aufkommen der Uhr ausgebildet, als Fixpunkt linearer Orientierung  in der Zukunft , seit Neuzeit allgemeingültig  1522 1. Ausgabe von Luthers Übersetzung in die deutsche Sprache // die Endlichkeit der Rohstoffe wird ignoriert, genauso wie die Begrenztheit eines Wachstumsmusters. Es ist kein exponentielles Wachstum möglich mit endlichen Rohstoffen // neurologische Prägung beginnt im Mutterleib // Wiederholung stärkt im Gehirn Neuronen und Schaltkreise, für jede Tätigkeit, die verstärkt ausgeübt wird, stellt das Gehirn mehr Neuronen ab // Hormone färben die Brille, durch die wir die Welt wahrnehmen // Earth: is a living library // most valuable on earth = genetic material of the planet, genetic trace in the life forms // we as people were becoming ignorant to the world we are living in a living environment // it depends on my beliefs how I interpret the world and the world around me // most people are more interested in being entertained then in being informed, in knowledge // what comes around, goes around 

Lyrik : veröffentlicht in # kkl 48

 Chor der Unvernünftigen

Wir sind die Nachkommen der „Aufklärungen“

Gefüttert mit dem Blut der Revolutionen

Wir sind satt von den falschen Vorstellungen

Und der Rede von Fortschritt durch Technik  und Millionen


Kindheit das haben wir recht früh verlernt

Fremde Ideen wurden uns in die Köpfe gestopft

Weil Vater ein Mann werden gelernt

Vor den seine Ahnen sich schon mit Feinden gezofft


Unser Kindheitstraum war „Liebe in Freiheit“

Unser Märchenbuch: „Die Lehren des Don Juan“

Unsere Freude: Tanztabletten

Und Rausch unser Retter


Die Bücher erzählten Lügen und Frivolitäten jeder Couleur

Daraus ergab sich eine virtuelle Realität wie im Kaleidoskop

Wir trainierten tränenlos die Enge ertragen – unser Malheur

Und die Brüder und Schwestern wähnten sich on top


Und kamen die Umschläge mit Rechnungen und Bescheiden

spielten die Mütter heilige Familie als wären wir in den 50ern

dann gingen die Männer in moderne Höhlen leiden

und wir waren auf uns zurückgeworfen, auch fern


Wir lernten social media und Manipulation

Mit Hilfe Überstehen

Wir empfingen Gehälter der Inflation

Auf nimmer Wiedersehen


Wir fühlen noch immer den Hohn und die Kälte

Jener klassischen Epoche Erbe

Auf die modernen Scheiterhaufen verbringen uns Anwälte

Und wir wachen das Feuer unserer Mutter Erde


# Zimmer in einem Traum

Mitten in der Nacht und wir sitzen unter der Linde auf dem Petersberg. Unter dem Dach des Baumes, der seine Äste tief zur Erde neigt, sieht uns niemand. Aber um die Uhrzeit ist sowieso niemand unterwegs, nicht hier oben auf der Anhöhe, vielleicht ein paar Leute unten in der Altstadt. Hier oben sind wir unberührt vom Treiben der Anderen, die Straßenbahn bringt 3, 4, 5 Leute nach Hause und irgendjemand dreht noch eine Runde. Die Lichter in den Wohnzimmern sind ausgeschaltet. Alles schläft. Außer wir: Wir sind wach und träumen.

Es treibt ein frischer Wind auf dem Petersberg sein Wesen. Die Winde sind in den letzten Jahrzehnten stärker geworden, sagen die Leute, die in der Stadt geblieben sind. Auch die Windrichtung soll sich geändert haben. Der Wind kommt mittlerweile aus allen Richtungen. Zerstörerische Stürme gab es Ende der Achtziger. Die alten Pflastersteine in den Gassen sind beinahe alle ausgetauscht. Es hat sich vieles geändert. Und einiges blieb. Das Einzige was ist, ist alles was ist. 

Der Baumstamm, an dem ich lehne, ist warm und sein Körper auch. Er ist auf dem Weg in die Schweiz und ich sitze mit ihm nach Jahren unter einem Baum. „Gibst du mir einen Zug von deiner Zigarette?“, frage ich ihn und hebe den Kopf von seiner Schulter. „Hör erst auf dem Hasen schöne Ohren zu machen, ich werd eifersüchtig“, höre ich ihn flüstern, während wir den Hasen beobachten, der seit einer 5-minütigen-Ewigkeit direkt unter einer Laterne uns gegenüber auf dem Weg sitzt und meinem Schnalzlauten lauscht. Ich muss lachen, der Hase bleibt unbewegt. Follow the white rabbit.  

„Kann ich mir noch eine drehen?“, frage ich ihn und er schiebt mir das Päckchen Tabak rüber. Wir sitzen, nachdem wir den weißen Hasen von hinten gesehen haben, in der hell erleuchtenden Küche. Eine Wohnung in einer Straße in einer Stadt in einem Land in Europa auf der Erde. Milchstraße. Ein weißes Blatt Papier liegt auf dem Tisch vor uns und zwei Bleistifte daneben. Das Fenster ist sperrangelweit auf. Der Aschenbecher ist voll. Wir rauchen Kette, American Spirit, als ginge es um unser Leben, als gäbe es kein Morgen. Es gibt aber ein Morgen und es geht um unser Leben. 24 Stunden am Tag. Aber wer weiß das schon? Würde sich etwas ändern, wenn wir wüßten? Ich weiß im Moment nur eins: Ich will nicht sein wo ich bin. Ich spreche es nicht aus, obwohl es kein Geheimnis ist, aber ich will es für mich behalten bis ich dahinter gekommen bin, was es zu bedeuten hat. Während ich ein Kännchen Earl Grey zubereite, zeichnet er den Grundriß eines Rundbaus. Darüber reden wir schon seit Tagen wie es gehen kann das Leben, das Reisen, das Zusammensein. Mir fällt ein, es ist nicht irritierend zu sein, wo man ist, es ist nur irritierend zu denken man wäre gern woanders. Den Satz hab ich zum ersten Mal in einer Wohnzimmerbar in Leipzig gehört. Es muss in einem Film gewesen sein. Dann denke ich an Beko und an die Nächte am Telefon. „Hörst du das auch?“. „Was meinst du?“ „Das Trommeln des Regens auf dem Fensterbrett?“ Mit dem Hörer in der Hand am Ohr am Fenster stehend, lauschten wir in die Nacht schauend, dem Regen, jeder von einem anderen Zimmer aus, in einem anderen Haus einer Straße irgendwo in derselben Stadt. Es ist nicht beunruhigend zu sein, wo man ist, es ist nur beunruhigend zu denken man wäre gern woanders. ‚Eben doch, lieber John Cage‘, denke ich, ‚es ist zutiefst beunruhigend zu sein wo ich bin.‘  Mein Freund nimmt seinen Hut ab, hebt kurz den Blick, schaut mich an als hätte er meine Gedanken gehört. In der Stille. In Silence, we are it. Im Silentium der Verschwiegenheit. Hört er mich. Und ich höre eine Melodie, die weit weg im Hintergrund spielt. Er legt seine Hand auf meinen Oberschenkel wie damals als wir zusammen durch den endlos langen Tunnel gefahren sind. 

Und da ist dieser stille Krieg um uns, der wie ein lautloser Zug auf uns zurollt. Die Leute in den Wohnungen sitzen wie in Waggons, essen, trinken, schauen aus dem Fenster, sortieren ihre Dinge neu, verstauen Brauchbares für später, der Rest sammelt sich auf den Straßen gemeinsam mit leeren Wein- und Whiskyflaschen und sie warten. Ich gehe durch menschenleere Straßen, schaue in die Himmel und denke Berge. Das Quietschen der Straßenbahnschienen reißt mir den Gedanken aus dem Kopf. Mein Telefon summt in der Tasche. Ich schaue nach „Komm in die Werkstatt. Ich hab Linde zum Schnitzen für dich.“

„Was machst du jetzt? Was hast du vor? Hier sind doch nur alte Leute...“, sagt er zu mir. „Außer dir.“, sage ich. Er lacht und ich küsse ihn. Seine Barthaare riechen nach Tabak. „Kennst du das? Du tust etwas, was das Gegenteil ist, von dem was du vorhast und du tust es, weil etwas dich dahinzieht.“ Ich weiß wie das klingt und er schaut mich aufmerksam an. Ich sehe in seinem Blick, dass er versteht. Manchmal hat man noch etwas zu erledigen. Und dann muss man in die Stadt. „Ich weiß wie es ist, nicht ankommen zu wollen.“, sagt er und streicht mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Mir ging das auch so vor vielen Jahren.“ Er nimmt meine Hand und mir ist warm.

„Heute Nacht habe ich von dir geträumt. Du stehst im Hausflur eines Wohnhauses, ich sehe die Haustür nicht, nur Fenster im Flur. Es ist dämmrig. Du stehst vor der Tür zum Kellergeschoß und überlegst. Du willst etwas aus dem Keller holen und zögerst. Und ich frage dich, ob das wirklich nötig ist...“ Er schaut mich an, seine Augen sind leicht geweitet. „Wie hast du das gemacht?“. „Was meinst du?“ „Das ist mein Traum. Ich habe heute nacht geträumt, dass ich im Hausflur bei meiner Ex-Frau im Haus stehe und dort im Keller mein Holz holen will. Eibenholz. Und ich bemerke, dass jemand bei mir ist. Ich hab dich nicht gesehen... wie bis du in meinen Traum gekommen?“ 

Wir liegen nachmittags im Bett wie in einem Zimmer von einem Traum und essen Schokolade. „Manchmal weiß ich Dinge, ohne zu wissen woher ich sie weiß.“ „Ist das gut?“, fragt er. „Es hilft“, sage ich. Und dann ist da noch die Sache mit den Entscheidungen, die wir fällen. Jeden Tag. Andere nehmen sie, die Entscheidungen. Franzosen zum Beispiel nehmen sie und Engländer auch. Deutsche fällen Entscheidungen wie Bäume. Etwas fällt um und wird unwiederbringlich abgetrennt. Einmal gefällt, ist es nicht mehr rückgängig zu machen. Sind Entscheidungen dann auch Trennungen? Abschiede? Bei jeder Entscheidung bleibt etwas zurück. Während ich meinen Gedankengängen spazieren gehe, reihe ich die kleinen Steine, die er mir mitgebracht hat, auf dem Fensterbrett auf. Der Rose namens Heidi schneide ich ein Stück Stiel ab und stell sie in die chinesische Vase zu den zwei Kirschzweigen, die ich am Donnerstag vor Ostern aus der Predigerkirche mitgenommen habe, sie blühten nacheinander auf, der eine am Ostersonntag, der andere am Ostermontag. 

Die Nacht liegt ruhig und ich nehme einen tiefen Zug von meiner Zigarette. Ich stell mir vor, dass es die letzte sei. Daran berausche ich mich. „Sag mal?, warum bist du jetzt hierher gekommen?“ Seine Stimme ist so schön warm und schmeckt so gut. Und vor mir läuft ein Film ab: Kartons packen, telefonieren, Schlüssel in den Briefkasten, der Fluss Ariège, die Pferde, der Abschied von Irissa, der kein Abschied sein soll, weg von den Bergen, sterben, nein noch nicht, das kommt später, zurück in die Stadt, in d i e Stadt. Ich kann meine Stimme nicht finden in diesen Erinnerungen, und ich schaue auf den Teakholztisch aus Berlin. Mit meiner rechten Hand fühle ich die Maserung. Er legt seine Hand auf meine. „Du musst es mir nicht sagen, wenn du nicht willst? Wir haben Zeit.“ Nein, das muss ich nicht. Ich muss ganz andere Dinge. Ich lege die Zigarette auf den Rand des Aschenbecher aus Alabaster und stehe langsam auf und schaue den Zigarettenrauch an wie er in einem geraden weißen Rauchfaden in den Raum hinaufsteigt und sich am Ende kräuselt... Ich gehe ins Zimmer nebenan und nehme das Buch von Jodorowsky, dass ich in Seidenpapier einschlage und mit einem roten Strickgarn verschnüre. Das Buch stammt aus meiner Reisebibliothek, viele sind es nicht mehr, und da ist noch ein anderes Buch für ihn. Später. „Zu deinem Geburtstag. Es wird dir gefallen.“ Ich umarme ihn und fühle. 

„Weisst du was seltsam ist?“, sage ich. Er zögert nicht mit der Anwort: „Allerdings!, Aber sag du...“ „Als ich in der Nähe der Kleinstadt mit 8.000 Einwohnern lebte, sah ich über ein Jahr lang immer wieder Autos mit deutschen Kennzeichen, und das war schon komisch, da waren keine deutschen Touristen, da waren Franzosen und Spanier, und das deutsche Kennzeichen, was ich immer wieder sah, war das Kennzeichen dieser Stadt hier. Und ist doch verrückt, dass die Initialen deines Namens genau umgekehrt die Buchstaben des Nummerschilds sind. Wieso? Das ist mein Rätsel.“ Er schaut mich lächelnd an und sagt: „Und du bist mein Geheimnis.“ „Was passiert hier mit uns?“ Er nimmt mich in seine Arme und sagt: „Du und ich, wir sind hier in diesem Raum, das ist alles, was zählt.“

Er bindet die Seidenschärpe wie eine Krawatte an den Garderobenständer. Wundersame chinesische Blüten heben sich von dem goldenem Stoffgrund ab. Ich denke: Im Garten des Kaisers wachsen die seltsamsten Blumen. Ich stehe still und halte eine Erinnerung in meinen Händen... ich betrachte meine Hände und denke, dass sie viel zu klein sind für all mein Erinnern und mir fällt auf, dass es Dinge gibt, die den Abdruck von etwas Lebendigen tragen. Das schreibe ich auf Japanpapier und stecke es in seine Jackentasche. 

Wenn die Bilder vor mir ablaufen, ist es mit ihm wie Klaviermusik. Wir finden uns im Begehren füreinander, und in der Lust zu leben, an einem anderen Ort. Dabei zirkuliert unser Erinnern und unser Vergessen wie Wellen. Unser Erinnern ergießt sich am Strand unserer Leben und das Vergessen legt ein Tuch über alle Gedanken, das von Zeit zu Zeit ein Lufthauch aufweht und ein Zauber entweicht wie ein Rätsel.

Was tun um eine Rose zu vergessen?

short story

Obskur

Sein Auftraggeber hat unwillentlich ein Detail preisgegeben, das alles verändert. Zumindest für ihn. Zum Guten oder Schlechten, kann er zu diesem Zeitpunkt schwer einschätzen. Planänderung ist die Devise.  Er legt sein Telefon auf die Anrichte und geht zum Fenster. Er schiebt den Vorhang mit der rechten Hand zur Seite. Die Dämmerung hat eingesetzt. Das Telefonat hatte länger gedauert als erwartet. In der Wohnung ist es dunkler als draußen. Die Lampen auf dem kleinen Platz unten leuchten.  Während er das Treiben vor dem Cafehaus gegenüber beobachtet, streicht er sich eine Weile mit Daumen und Zeigfinger über die Barthaare um seinen Mund. Er dreht sich um und geht zurück zur Anrichte und wirft einen Blick in den Spiegel. „Nein, man sieht nichts, überhaupt nichts.“, sagt er dem Mann im Spiegel. Er lässt seinen Blick über die Objekte schweifen, die er im Lauf der Jahre gesammelt hatte. Ihm gefällt was er sieht. Ihm gefällt auch die Wohnung, sogar nach all den Jahren. Besonders, dass alle Zimmer hintereinander aufgereiht sind. Man kann durch alle Zimmer hindurchsehen, wenn die Türen geöffnet sind. Dennoch zieht er Bilanz: „Zeit für Veränderung. 20 Jahre dasselbe Metier. 20 Jahre in der Obskurität ein und derselben Wohnung“. Beim Zimmerdurchqueren, eine Angewohnheit Gedanken zu sortieren, überkommt ihn eine Erinnerung an eine Begegnung in Paris. Seine Aufträge hatten ihn an verschiedene Orte der Erde geführt, auch in einige Metropolen. Damals als er ihr in einem Cafè im 5. Arrondissement begegnete, beherrschte er die Sprache der Diplomatie vollends. Obwohl auch sie Deutsche war, pflegten sie ihre Unterhaltungen in Französisch. Für ihn war es ein Ausdruck ihrer Komplizenschaft. Fast fünf Jahre trafen sie sich immer wieder in Paris. Gemeinsam besuchten sie Museen und Kirchen, nie war er mit ihr in einer Galerie oder bei ihr zu Hause. Er hatte nie nach ihrem Beruf gefragt oder wie alt sie war. Außer ihrer Vornamen und Telefonnummern, wussten sie nichts Persönliches voneinander. Wie hieß sie doch gleich? Er sah zwar ihr Gesicht vor sich, ihre wachen Augen, ihren warmen, unvoreingenommenen Blick, aber ihr Name war in der Vergessenheit. Wofür er tiefe Dankbarkeit empfand, waren die  Gespräche mit ihr. Sie las ihm lange Passagen aus Büchern vor, und er hatte immer den Eindruck als hätte das Vorgelesene mit ihm zu tun. Wie machte sie das? Ihm war in ihrer Anwesenheit oft so als wäre sie ihm einen Schritt voraus, als wüsste etwas, das ihm entgeht. Er mochte sie, sehr sogar, aber sein Lebensstil machte eine Partnerin an seiner Seite unmöglich. In einem anderen Leben, wäre sie ... Jemand wie sie wäre jetzt und hier seine Lösung. „Was würdest du mir raten, meine geliebte Unbekannte?“

 

Während er mit seinem Rollstuhl zu seinem Sessel rollt, fragt er ruhig. „Was haben Sie heute mitgebracht?“ 

Sie wiegt die Gedanken ab und trennt vor ihrem inneren Auge Unwichtiges von Wichtigem. Er schaut sie aufmerksam an und lächelt. Noch von Gedanken absorbiert, sagt sie. „Einen seltsamen Traum.“

„Gut. Erzählen Sie mir von Ihrem Traum.“

„In meinem Traum befinde ich mich in einer Wohnung eines Jahrhundertwendehauses. Die Wände sind hoch. Die Wohnung befindet sich in der ersten Etage. Ich stehe im Flur der Wohung, bemerke aber, dass es ein Zimmer ist zwischen anderen, es erinnert mich an Goethes Wohnhaus in Weimar. Wenn man am Anfang oder am Ende der Räume steht, kann man durch alle Zimmer sehen. Die Türrahmen sind wie Bilderrahmen und es entsteht der Eindruck von einem Bild in einem Bild, wissen Sie was ich meine?“

„Ja, ich kann es mir vorstellen. Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose...“ Sie lachen.

„genauso... ebend das Gegenteil eines Labyrinths, es gibt kein Zentrum, dafür eine vorgestellte Unendlicheit gerahmter Realitäten. Sie sind auch dort mit mir in der Wohnung. Ich wunder mich noch, dass Sie Ihren Rollstuhl nicht dabei haben. Wir schlendern gemeinsam durch die Zimmer. Wir biegen am Ende nach rechts ab, gehen durch die Wohnungstür und befinden uns auf einem kleinen Platz. Es nieselt. Das Kopfsteinpflaster ist glatt. Und wie ich mich so vorsichtig über das Kopfsteinpflaster bewege, löse ich mich von ihrem Arm und bin wieder allein. Mir kommt der Gedanke, dass Sie im Rollstuhl sitzen aufgrund einer Erbkrankheit, die langsam ihre linke Hüfte zersetzt und ihr linkes Knie in Mitleidenschaft zieht.“

Kurz schaut er sie verstört an. „Woher wissen Sie das? Wer hat Ihnen das gesagt?“ Sie versteht erst nicht, und versichert ihm dann: „Mir hat überhaupt niemand irgendwas gesagt. Das ist mein Traum.“ Manchmal weiß man, ohne zu wissen. „Aber warten Sie, der Traum ist da noch nicht zu Ende. Ich gehe nochmal zurück in die Wohnung als hätte ich etwas vergessen, und begegne wie ich vermute dem Mieter der Wohnung, einem elegant gekleideten Mann Mitte Vierzig, seinem Einrichtungsstil nach zu urteilen, ein Kunsthändler. Ich gehe auf ihn zu und bemerke, dass er eine Pistole in der Hand hält. Ich schaue mich um, ob noch jemand in der Wohnung ist,  und entdecke auf einer Anrichte einen Schalldämpfer. Ich gehe weiter auf ihn zu, lege meine Hand auf seine rechte Schulter und sage leise: „Wollen Sie das wirklich? Verschwinden Sie besser aus der Stadt.“ Er hebt langsam seinen Kopf und schaut mir in die Augen, in diesem Moment zieht es mich aus dem Traum. Seinen Blick werde ich nie vergessen.“


Das Telefon auf dem Schreibtisch klingelt. Der Rauch seiner Zigarette auf dem Aschenbecherrand, steigt in einer geraden Linie nach oben. Er hebt endlich den Hörer ab.

„Böhninger am Apparat. Mit wem spreche ich?“

„Guten Tag, Sie sprechen mit Donna Bonita.Spreche ich mit Herrn Böhninger?“

„Ja. Am Apparat. Worum geht es?“

„Ich rufe Sie an, weil... weil Sie mir empfohlen wurden... Man hat mir gesagt, dass ich mich vertrauensvoll an Sie wenden kann... Ich... ich muss mit jemand reden... das heisst ich brauche einen Rat in einer delikaten Angelegenheit.“

„Ich verstehe. Was macht die Angelegenheit delikat?“

„Ja... wie soll ich Ihnen das sagen? Ich komm‘  mir vor wie im Film. Ich weiß nicht wo ich anfangen soll? Ich habe... ich befürchte...“

„Fangen Sie ganz am Anfang an. Der Grund Ihres Anrufs...“

„Ja. Es geht um einen Klienten. Ich arbeite seit vielen Jahren als Wahrsagerin.“ Pause.

„Ja, gut. Fahren Sie fort. Was ist passiert?“

„Also vor einigen Tagen hat ein Mann eine Seance gebucht. Er erschien pünklich. Attraktiv, Mitte Vierzig, hochwertige Kleidung. Nichts Ungewöhnliches. Es sei sein erster Besuch bei einer .“

„Was wollte er wissen?“ 

„Er drückte sich vage aus. Er bräuchte eine Entscheidungshilfe und wolle wissen was die Zukunft für ihn bringt.“

„Ok. Was ist weiter passiert?“

„Ja. Also ich arbeitete mit zwei meiner Kartendecks für die Seance, das wird Ihnen sicher nichts sagen... es war das Crowley-Deck und das Waite-Deck... naja, das spielt keine Rolle...oft sehe ich auch ohne die Karten...“ Sie hält kurz inne.

„Moment, mir ist als hätte ich jemand an der Tür gehört...ok, nein, das ist die Aufregung, ich bin etwas nervös.“

„Was haben Sie in den Karten gesehen?“

„Als ich die letzte Karte der Legung umdrehte, verdunkelte sich der Raum, eine meiner Lampen flackerte kurz auf und ich habe gesehen, dass der Mann, der mir gegenüber saß, ein Mörder ist.“