# Reisende

auf einsamen wanderungen eine reisende ohne gepäck

ich habe die berge nie verlassen

meine erinnerungen ließen mich nicht mehr los

meine erinnerungen folgten mir wie ein alter zauber

ich war scheuer als die eulen

die in der nacht in meinem und deinen träumen fliegen

es ist sehr dunkel in diesem hausflur

ich sage es dir ganz leise und sehr ernsthaft in dein rechtes ohr

du bist sehr verwundert du bist wirklich sehr verwundert

ich habe deinen hut und halte deine hand

das weite suchen der wirklichkeit begegnen

großes mysterium

habe ich je die berge verlassen

doch heute bin ich in einer stadt

in jedem hauseingang in den gassen 

lauert eine erinnerung mir auf 

du bist vorbote meiner reise

doch heute nacht bin ich in dieser Stadt

deine brunnen sind die kilonetersteine meiner vision


ich erkenne deine konturen wieder

die sich an die himmel heften

um mich willkommen zu heißen jeden tag

bei nacht bist du majestätisch

ich liebe dich wie man ein pferd liebt

all deine winde sind für mich winde der zärtlichkeit

ich bin wie meine ahninnen

die am feuer sitzen

ich erwarte nichts

ich bin hier

ich sitze auf der wiese deines gartens

und lächele dem milan über mir zu

an meine wanderungen denkend



# Haiku


Bei der Kapelle 

über den Friedhofsbänken

tanzen die Blätter


#

Es schneit und wir sind

unter Federdecken na

an Geheimnissen


#

Zeit ergiesst sich aus

einer Nachttischlampe wie

Erinnerungen

# ein Anfang

Jedem Ende wohnt ein Anfang inne

Wir sind ein paar Leute in einer Grotte. Wir sind da in diesem Moment der Unbestimmtheit. Bevor wir weiter gehen. Einige von uns wissen, dass es kein Zurück gibt, nur ein tiefer in das Unbekannte. Wir schweigen, um niemand zu beunruhigen. Still gehen wir hintereinander tiefer in die Grotte bis wir an einem unterirdischen See ankommen. Uns verschlägt es den Atem. Das Gefühl der Angst steigt aus der Magengegend hoch in den Herzraum, auch ich spüre mein Herz heftiger schlagen. Es ist ausweglos – im wahrsten Sinne des Wortes, denke ich und halte den Gedanken sofort an, sodass er sich nicht im Raum ausbreitet und von den anderen aufgenommen wird. Das ist Teil meines Trainings gewesen. 

Wir sammeln uns am Ufer wie unsere Gedanken. Wir wussten, dass unser Weg Risiken birgt, wir auf uns und unsere Intuition angewiesen sind. Wir gewinnen wieder Zuversicht. Ein Bruder spricht aus was wir ahnen. Wir müssen tauchen. Alle Blicke sind auf ihn gerichtet. Gut. Wir tauchen jetzt einer nach dem anderen, ich beginne. Wartet einen kurzen Moment und macht dann weiter. Verstanden? Alle nicken. Habt ihr Angst? Ja. Ich auch, sagt er und lächelt. Betet, solange ihr taucht. Ich liebe euch. Er geht ins Wasser und taucht ab. Mir wird schwindelig. Ich spüre dieses Flimmern im Magen... einige sind ihm bereits gefolgt. Es ist nun an mir. Ich schaue zu den Verbleibenden, ich spüre ihre Zuneigung. Ich gehe ins Wasser, atme tief ein und tauche ab. Einmal unter Wasser zieht es mich nach vorn, ohne Schwimmbewegungen. Meine Angst ist verschwunden. Nach einer Weile, tauche ich auf. Ich schwimme in einem See, ich sehe die Berge. Mein Bruder kommt auf mich zu und nimmt mich in seine Arme. Ich spüre unsere Herzen im selben Rhythmus trommeln.

Was wenn das was Du kennst aufhört? Bist Du bereit?  

# Other Affairs




A shy attempt


Both were prepared

to give the day space

shadows reflecting

on shining pavement

through the rain they whispered

promises

words crawling like creatures

from their mouths

tiny black dots

at night

they went on

together

fearing

to be discovered.



Leiser Versuch

Sie waren bereit

dem Tag Raum zu geben

spiegelnde Schatten

auf glänzendem Asphalt

im Nebel raunten sie sich 

Versprechungen ins Ohr

Worte wie Tiere krochen

aus ihren Mündern

winzige schwarze Punkte

nachts

gingen sie weiter

zusammen in

Angst entdeckt zu werden.

# Affairs


Between days

she’d been so responsive

he thought she was easy prey

now there was this thicket of

old days

tired months

lost years between them

neither of them felt like passing through

getting entangled in the pains

of previous years

like thorns 

bristles

barbed hooks and memories

sticking in little puddles on the kitchen table

and on the sleeves