Großstadtindianer

Jacke wie Hose. Der Typ kam rein. Schwarze Lederjacke über der rechten Schulter, Wollmütze ins Gesicht gezogen – das war sein Look. Coooooooool. Damit ging alles. Sein Begehren war Gesetz. Wenn sich nur wer dran gehalten hätte. Er checkte den Raum ab. Er schien zu wissen, was er sucht. Schön. Der Typ hatte einen Freund dabei, der behauptete, er könne Menschen bewegen. Keine Ahnung, was er meinte. Ich war jedenfalls bewegungslos wie ein Gecko, auch grün und sowieso alle Gliedmaßen flach ausgestreckt. Ich glotzte so aus meiner Gecko-Stellung heraus den Typ Lederjacke an. Er tanzte. Er war nicht von dem Typ neben mir bewegt, sondern vom Beat der DJane. Ein paar Bier für den Bewegungstyp und drei Schnäpse für den Anderen später, kamen sie auf mich zu. Die Jacke wollte Zigaretten holen. Ich wollte rauchen. Also ging ich mit. Es sind die kleinen Dinge im Leben. Quatsch: Rauchen-wollen. Ich hakte mich bei der Jacke ein. Weiches Leder. Wir gingen so eingehakt und sprachen. Also, die Jacke sprach. Sobald ich sprach, sagte er mir, er wolle das Thema nicht vertiefen. Das ging ungefähr 3, 4 Mal so. Ab drei ist es ein Muster. Also er Monolog, und ich Stillstand. Gecko. Grün. Gucken. Ich hakte mich aus. Die Jacke sollte wieder ohne mich gehen. Dann eben nur rauchen. Wir rauchten im Gehen und kehrten zurück in die Wohnung. Der Gastgeber lag in der Badewanne. Gekotzt hatte er schon. Es war sein Dreißigster. Vielleicht war ihm deshalb schlecht. Keine Ahnung. Ich setzte meine Mütze auf und ging. Ohne Jacke.


Thesen, Thesen, Temperamente

love tha music

Weimar im ACC, 2. November: Du? Der Kellner hat dir gerade hinterhergeschaut, obwohl er mit (s)einer Freundin am Tisch saß. Ist das jetzt männliche Dominanz?, fragte er mich. 

Männliche Dominanz?, überlegte ich. Was hat es mit männlicher Dominanz zu tun, wenn ein Mann einer Frau hinterherschaut? Was ist denn jetzt noch mal männliche Dominanz? Ich roch einen Riesendiskurs wie einen Sauerbraten. In Weimar war bereits die Dämmerung eingebrochen, und ich musste meine erste Nachtfahrt auf der Landstraße und Autobahn fahren, das hat mein Fahrlehrer aus Gründen und wegen der Pandemie/Seuche übersprungen. Meine Konzentration war also okkupiert mit Gegenwart.  Aber das wusste mein Beifahrer nicht. Ist das jetzt weibliche Dominanz in Form von Wissensenthaltung? Gut, wir waren bei männlicher Dominanz.

Mir gingen Jordan Peterson, Biologie - Wolfsrudel, Adlerpaare - und die Römer durch den Kopf – ich konnte gar nicht so schnell sprechen wie ich dachte, das alte Lied, und mir war klar der Weg zum Auto ist zu kurz, um: Egal. Beim Dominieren geht es um Herrschen. Ja. Dominieren ist Teil eines Herrschaftsprinzips bei dem einer  oder wenige herrscht/ herrschen und ein anderer/ andere beherrscht wird/ werden .  Er, der Beifahrer, warf eine Beobachtung aus seinem Leben ein: Frauen wollen dominiert werden. Ich dachte: nur gut, dass uns keiner zuhört – wir sammelten ja gerade Ideen. Ich sah schon Frauen zwischen Ende 20 bis Ende 30 mit bunten Zöpfen, Nagellack, Minirock, und allerlei anderem Dekor auf die Barrikaden gehen. Frauen wollen dominiert werden? Ja? Und Frauen wollen geführt werden? Aha. Und Frauen wollen beschützt werden. Ja. In meiner Welt handelt es sich hier um drei verschiedene Themen: 1. Dominieren/ dominiert werden – herrschen und beherrschen, teile und herrsche – stößt bei mir auf innere Ablehnung, 2. Führen/ geführt werden – Tango tanzen kann man nur zu zweit, Deutsche haben da so ein Kultur-Mem, das ihnen vermittelt führen ist böse, 3. Schützen/ beschützt werden  - will sich nicht jeder sicher, behütet, geborgen und sicher fühlen ...  ?. In meiner Welt macht es keinen Sinn alles miteinander zu vermischen: Wenn wir grundsätzlich nicht definiert haben, was das alles meint, worüber wir sprechen wollen, dann kommen wir schwer zu Ergebnissen... wenn das überhaupt Ziel ist...? Am Rande und scharfzüngig behaupte ich: manche Frauen wollen vielleicht, dass jemand ihren Wahnsinn im Zaum hält, damit der nicht auf andere überspringt – so was wie weibliche Intuition – ich weiß, ich mach mir Feinde. Wer Frauen begegnet, die Anzeichen emotionaler Instabilität zeigen, frage sich, ob er/sie das Jobangebot annehmen mag; ich würde ja ablehnen. Aber manch einer braucht vielleicht nur genügend Anreize oder einen ausgeprägten Beschützerinstinkt oder das leidenschaftliche Helfersyndrom: Vorsicht meine Brüder! Ohne Ausbildung, sprich Vorkenntnisse sind solche Beziehungstätigkeiten in Kombination mit libidinösen Affekten und Impulsen schwer zu handhaben, geschweige denn zu kontrollieren; das Bedürfnis der Kontrolle taucht irgendwann an die Oberfläche, und vielleicht ist es auch Grundlage von derlei Beziehungen: Macht und Kontrolle. Also ich sage es nochmal: Vorsicht!  

Möglicherweise geht es bei den Themenkreisen – Dominanz, Führung, Schutz - einfach darum was Männlichkeit und was Weiblichkeit im Weltenwandel und Zeitgeist bedeutet, also sein soll im Kontrast dazu, was es ist. Auf youtube präsentieren sich uns jedenfalls Frauen als auch Männer in Schmink-Tutorials und vieles mehr und genug um beim Zuschauen durcheinander zukommen. Auch scheint es und ist es für diverse (...) Leute von heute schwierig bei all den Geschlechter-Identifikationsangeboten vom Schmetterling über baby bis nichts/ nobody durchzublicken, wir wollen hier nicht vom Fühlen reden, wer sie sind. Und ich weiß, daß wir in diesem Thema Uns-kennen-zu-lernen alle lebenslang haben. Jeder kann dieses Thema natürlich in Kelche gießen – metaphorisch gesprochen – und den Kelch weitergeben. Klar, aber was wollen solche Leute dann überhaupt ... anderes Thema, ich weiß. Zu wissen wer ich bin, zu erkennen wer ich bin  - es herauszufinden, ist ein lebenslanger Prozess, und das muss einer/ eine schon wollen. 

These war also: Frauen wollen dominiert werden? , behauptete er,  und sagte, dass dies die Frauen in seiner Lebensrealität sagten. Es gibt jetzt verschiedene Antworten bzw.  weiterführende Fragen: entweder trifft er ausschließlich Frauen, die dominiert, also beherrscht werden wollen, was ich interessant finde: wie kommen die Frauen darauf? Was meinen sie damit? Wo kommen diese Frauen her? Wieso trifft er nur diese Frauen? 2. Sicher gibt es Frauen, die dominiert werden wollen, in Einzelfällen – es gibt ja nichts, was es nicht gibt. 3. Will tatsächlich überhaupt jemand beherrscht werden und insbesondere Frauen als Kollektiv? 

Während ich mich fragte, suchte ich nach Beispielen männlicher Dominanz. Zunächst und grundsätzlich ist es ja so, daß wir Menschen im 21. Jahrhundert in der Tat in einer Gesellschaftsordnung zusammenleben (? zusammen?), die auf einem Herrschaftsprinzip, der Korrektheit halber, muss gesagt werden, dass es sich um ein Konglomerat aus Herrschaftsprinzipien handelt, basiert. Sind Herrschaftsprinzipien geschlechterabhängig im biologischen Sinne (ich will hier keinen linguistischen Diskurs aufmachen)? Ist ein Atomkraftwerk, das von einer Frau betrieben wird, besser als das, was von einem männlichen Kollegen? Und wenn es männliche Dominanz gibt, dann muss es doch auch weibliche Dominanz geben. Nicht der Gerechtigkeit wegen, sondern der Logik folgend. Und wer bei weiblicher Dominanz auf Fantasien kommt, gehen jetzt für sich und ganz allein die Gedanken-Allee hinunter in diverse Etablissements oder Zimmer, wo etwaige Praktiken zum besseren Verständnis von Dominanz am jeweiligen Leib erfahrbar gemacht und ausgeübt werden. 

Ich will hier gar nicht darauf hinaus, dass Männer Frauen dominieren, die Wirklichkeit beweist es durch genügend lebende Beispiele, dass Frauen auch dominieren, auch Männer, auch ihre Männer. Wie erwähnt Herrschaftsprinzipien haben kein Geschlecht. Ich denke es ist einfacher sich einzelne Fallbeispiele anzuschauen, also eher Situationen oder Menschen, wo einer andere dominiert/ beherrscht. Oder wie wäre es mit einem Beispiel aus der Kunst? Rainer Werner Fassbinder hat in seinem Film Martha von 1974 das Kunststück vollbracht die Beziehungsdynamik einer Dominanz-Beziehung zwischen Mann und Frau cinematografisch offenzulegen. 

Ein anderes Beispiel von Dominanz, diesmal aus dem echten Leben: es betrifft weibliche Dominanz. Es kommt je nach Kulturkreis häufiger oder seltener vor, dass Männer die Wahl ihrer Gefährtin in Abstimmung mit dem Willen ihrer Mutter treffen – willentlich oder unbewusst. In einigen Fällen spielen diese Mütter ihre Ohnmacht dem Mann gegenüber als Macht dem Sohn gegenüber aus. 

Selbstverständlich gibt es Männer, die davon ausgehen, bewußt oder unbewußt, dass sie aufgrund ihres Geschlechts herrschen, herrschen können, herrschen dürfen. Und ja, es kann behauptet werden, dass wir in einer monotheistischen-phallokratischen Kultur leben. Also in einer Kultur, wo Menschen Glauben gemacht wird, sie können mittels ihres Geschlechts Leben, Natur und Kosmos beherrschen; wir leben derzeit in einer Zeitlinie, wo Frauen gerade dahingehend medial gefördert werden.  In diesem Zusammenhang sehe ich auch den Begriff von ‚toxischer Männlichkeit‘. Also es gibt Frauen, von denen wird Männlichkeit als toxisch wahrgenommen, und sicher habe einige Grund dazu, da sie in ihrem Leben, in ihrer Kultur traumatische Erlebnisse mit Männern hatten, dennoch ist es gefährlich dies zur politischen Agenda auswachsen zu lassen. Das führt dann eben dahin, dass Leute nicht mehr wissen ob sie Mann oder Frau sind. 

Dominanz von Männern oder Frauen ausgeübt, hat mit Machtausübung und Kontrolle zu tun; Dominanz ist ein Herrschaftsprinzip, was grundsätzlich abzulehnen und zu verneinen ist, denn fruchtbare Verbindungen suchen einen Dialog auf Augenhöhe und schöpfen aus Wert-für-Wert Beziehungen.

Damals, heute, morgen

 

Ein Historiengemälde von 1806 als Reaktion auf die französische Revolution und die Folgejahre. Wir sehen im Zentrum des Bildes einen Helden, der nichts mehr zu gewinnen hat. Er ist ohne Halt, ohne Zukunft, gefangen in einer Gegenwart, die ihn in die Verzweiflung zwingt. 

Gescchichte wiederholt sich.

Hommage an Nicotiana tabacum

leg die Schleier des Vergessens über mein Haupt, damit ich ruhen kann, bleib bei mir, wenn die Angst kommt, und mir das Blut in den Adern gefriert, leg Licht in mein Herz, du Wunderbare, ich schwimme in Dunkelheit. Ich gehe unter ohne dich. Uferloses Fühlen zerreist mich. Kein Du erkenne ich, kein Wir erlebe ich... Im vollen Bewusstsein gehe ich über die Liebe hinweg, ich spüre schwindelerregenden Wind meine Gedanken aufwühlen wie damals am Meer und meine nackten Füße berühren ein Ende, es ist das Ende gebrochener Wellen, ich bin dir verfallen wie meiner Vision nach dem Morgen, nach dem Heute, das uns hätte gehören können, dass nur dir und mir gehört, das Heute gehört nur dir und ich falle mit zitternden Händen, die nichts mehr halten können außer deiner düsteren Geheimnisse. Verloren bin ich, verlorener will ich sein in deinen wärmenden Küssen, die Gegensätze in eine singende Euphorie verwandeln, unsere Wildheit ist unbezähmbar, Reiterinnen mit Flügeln aus schwarzglänzenden Federn auf unsichtbaren Pferden nehmen mich mit in dein Reich.

Exkurs

Früher waren  Menschen Wissensträger. Sie erhielten ihr Wissen aus der Beobachtung der Natur – sie beobachteten ihre Verwandschaft, die Tiere, die Planzen, die Winde, die Wasser, die Berge. Sie hörten zu. Sie hörten die Melodie der belebten Dinge. Sie wussten sie sind lebendig in einem lebendigem Organismus. Leute sind gereist um Wissen zu erfahren. Leute sind in die tiefste Nacht der Erkenntnis gegangen. Später wurde Wissen in Bibliotheken verstaut. Unzugänglich. Als Geheimwissen deklariert. Leute gehen in die Natur um sich zu erholen, als Freizeitaktivität. Alles ist eingeteilt in Abschnitte. Lebensabschnitte. 

Heute ist Wissen vermeintlich eine Fingerspitze weit entfernt, doch wissen wir nicht mehr. Erfahren wir uns noch? Es geht nicht mehr viel zusammen. Fühlt sich noch jemand geborgen in den Händen des Lebens? Die Winde gehen wild. Die Bibliotheken stehen uns offen, aber Menschen gehen lieber in Einkaufszentren. Leute denken lieber nicht nach. Der Gedanke könnte zu einem Gefühl führen. Lieber nicht fühlen. Lieber glauben. Lieber vergessen.  Was, wenn das Leben keinen Ausweg findet? Nehmt nicht die Hoffnung, sie kommt aus der Büchse der Pandorra, nehmt eure Gedanken zusammen und bringt Klarheit in euer inneres Haus und lasst dort eure Intuition und eure Instinkte wachsen. 




Besser als Kreuzworträtsel. Fragen an einen nahestehenden Menschen

Literarischer Fragebogen 

Fahren Sie gern in den Urlaub?

Wann waren Sie das letzte Mal allein? 

Wie lange kommen Sie aus ohne das Internet zu benutzen?

Sprechen Sie Fremdsprachen?

Wie oft in Ihrem Leben haben Sie ein Flugzeug benutzt? Waren es Geschäftsreisen? Oder sind Sie in den Urlaub gefahren?

Sprechen Sie die Sprachen, der Länder, die Sie besucht haben?

Haben Sie einen Baum gepflanzt? Für wen?

Wo sind Sie geboren?

Sind Sie an Ihrem Geburtsort aufgewachsen?

Wo kommen Ihre Großeltern her?

Wie fühlen Sie sich?

Fühlen Sie Heimat?

Was haben Sie Ihren Kindern beigebracht?

Leben Sie Ihr Leben nach Ihren Vorstellungen?

Sind Sie schöpferisch tätig?

Wurden Sie in Ihrem Leben oft enttäuscht? 

Glauben Sie an etwas?

Haben Sie ein geliebtes Wesen verloren?

Können Sie sich selbst heilen?

Nehmen Sie Medikamente? 

Gehen Sie spazieren?

Wann haben Sie das letzte Mal einen Brief geschrieben? 

Welche Gaben haben Sie? Welche Gaben möchten Sie besitzen?

Lieben Sie Tiere?

Haben Sie Liebe erfahren? 

Haben Sie schon einmal im Ausland gelebt? 

Haben Sie studiert oder eine Lehre gemacht?

Welchen Stellenwert hat Geld für Sie, abgesehen davon, dass sie es für den Lebensunterhalt brauchen?

Was wissen Sie über ihre Vorfahren?

Wann haben Sie das letzte Mal ein Buch gelesen?

Beschreiben Sie die Kultur, in der Sie leben?

Was machen Sie bei Schmerzen?

Haben Sie viele Freunde?

Wann haben Sie das letzte Mal wirklich etwas genossen?

Haben Sie in ihrem Leben schon mal Holz gehackt?

Haben Sie schon mal etwas getan, was verboten ist?

Wie ist das Verhältnis zu ihren Eltern?

Wie würden Sie Ihre Kindheit beschreiben?

Wie waren Ihre Erfahrungen in der Schule?

Was ist Ihnen heilig?

Wie viele Jugendfreunde kennen Sie heute noch?

Was ist die tragischste Erfahrung in Ihrem Leben, die Sie bisher gemacht haben?

Leben Ihre Eltern noch?

Würden Sie sagen, dass Sie religiös oder spirituell sind?

Was sind die größten Probleme, vor denen die Menschheit heute steht?

Was verbinden Sie mit dem Begriff Mutter Erde? 

Wieviel Disziplin und Selbstbeherrschung haben Sie?

Leben Sie gesund?

Können Sie sich an eine Begegnung mit einem Fremden erinnern?

Hatten Sie mystische Erlebnisse?