Cafe Senti. Jo drückte den Zigarettenstummel vor der Tür zum Senti aus. Mir fröstelte. Ich ging rein. Im Café war es warm. Der Kellner flüsterte mit einem Typ an der Bar – immerhin gab‘s bei denen was zu tuscheln. Am Fenster saß eine Alterslose. Sie verdrückte 3 Körbe mit Weißbrot und eine Portion Nudeln-Irgendwas, während ich im pseudobarocken Sofa gegenüber vom Fenster versank wie gleich später in seinem Schweigen. Jo sagte nichts, keinen Ton, kein Flüstern, kein gar nichts. Ich gähnte. Spannungsabbau oder sowas. Handelte sich, wenn denn überhaupt, um seine Spannung. Er fragte, warum wir nicht miteinander sprachen. Wir? Da war es, dieses Wir, was mich nicht einschloss oder mich einschließen wollte in einer Situation, in der es kein Wir gab. Ich bekam sowas wie nervöse Angst. Mir wurde innerlich schwindlig. Ich saß ja. Wen meinte er mit wir? Wir alle? Ich sah ihn einmal im halben Jahr wenn‘s hoch kam, und ich redete. Mit ihm. Was verdammt noch mal meinte er? Ja, zugegeben bei seiner Frage fehlten mir kurz die Worte, aber ich hatte sie ganz nah bei mir. Was weiß ich wieso er nicht sprach. Keine Ahnung, wenn er es nicht weiß, ich wollte es nicht herausfinden. Ich wollte gar nichts für jemand rausfinden. Gähn. Dieses Mal Langeweile. Das ist doch simple as fuck. Das hatte mal der Freund eines Freundes zu mir gesagt als ich Beine auseinander in 1 Meter 50 Höhe an einer Kletterwand klebte. Simple as fuck. Dann klatschte ich runter. Warum er nicht redete, konnte ich ja nicht wissen. Klettern war schwieriger. Das wusste ich. Also für mich. Immer dieses taktische Herumgedruckse. Nerv. Gähn. Langeweile. Da verging mir jede Fantasie. Jede. Und ich hasse das. Is so. Angeblich fehlte der richtige Moment, also zum Reden, sagte er. Aha! Keine Lust, vielleicht? Naja. Ich bestellte mir Tomatenbaguette mit schwarzen Oliven. Schwarz wie der Fleck auf meiner Seele. Was konnte ich ihm schon erzählen? Außerdem gab es da ja noch dieses Programm Hör-ihr-nicht-zu-die-spinnt. Vielleicht ein Heißgetränk? Ich bestellte mir einen Tee. Verbesserte angeblich das Gespräch, wenn nicht sogar den Gesprächspartner. Also zusammen Tee trinken. Die Temperatur meines Getränkes hatte leider keine Auswirkung auf irgendwas. Das mit dem Tee-trinken funktionierte bestimmt deshalb nicht, weil anderer Kulturkreis. Also konzentrierte ich mich auf die Inneneinrichtung. Was nach solidem Ambiente aussah, eröffnete beim nur so da sitzen und wir saßen ja nur so da, das gesamte Ausmaß seiner Geschmacklosigkeit: Plastikblumen neben ausgestopften Tierköpfen – Schockstarre bei mir. Omas Porzellan auf Relieftapete – Gefriebrand. Hilfe schrie mein Blick. Keine sah mich, wo mich keiner hörte. Außer Nobody. Aber Nobody war eine Filmfigur und in anderen Gefilden. Er neben mir schwieg und war ganz und vollkommen damit beschäftigt. Mal einen Joint weniger rauchen, dann geht das mit dem Gedanken-laut-formulieren, dachte ich. Aber was wusste ich schon? Ich hatte meinen letzten turn vor Jahren. Da saß ich auf einem zerbombten Sofa und hatte nur eine Frage. Wann hörte es auf? Wann? Mit seinem Schweigen war es vielleicht auch so. Es könnte aufhören. Es würde aufhören. Das würden wir dann merken. Also er, nicht wir. Das wusste ich.